{die Zentrale}    
 
 
 

{zurück zur Übersicht}    







 
   

"Keine süßen Boys anwatchen"


Printversion


jetzt.de

Das jetzt-Magazin hat im August seine Online-Community gestartet. Der Redaktionsleiter von jetzt, Timm Klotzek, sprach mit JavaJim über die Andersartigkeit von jetzt, die Mit-Produktion der User und Britney Spears-Poster.
 


 

Ist Community bei heutigen Jugendlichen überhaupt noch in?
 
Ich glaub nicht, dass sich jetzt-Leser diese Frage stellen. Sie fragen sich vielmehr: Wo finde ich Leute, die sich für das Gleiche interessieren wie ich. Die Leute sind froh und dankbar, wenn sie diese finden. Ob in einer Bar oder im Internet, ist eigentlich egal. Also ist Community immer in.
 

...................................
die Fragen stellte:
Timo Wirth

...................................
   

Was erwarten jetzt-Community-Mitglieder speziell von jetzt.de?
 
Erfahrungen mit den Leuten, die das Heft gerne lesen, haben gezeigt: jetzt-Leser sind nicht passiv, sie engagieren sich, sie haben eigene Ideen. Im Print-Bereich ist zwar Interaktivität möglich, aber nur sehr beschränkt. jetzt-Leser denken: "Meine Geschichte könnte da drin stehen, ich will auch schreiben. Ich möchte mitmachen." Dies zeigt sich ganz stark an den Tagebüchern. Das Alltägliche ist es wert, darüber zu schreiben.

Führt dieses öffentliche Tagebuch-Schreiben nicht auch zum Show-Schreiben, dem gefakten Schreiben, um cool zu sein?
 
Es gab schon immer verschiedene Formen von Tagebuch schreiben. Das offene Tagebuch bringt andere Formen hervor, aber die müssen nicht per se unehrlich oder wichtigtuerisch sein. So entstehen interessante Lebensberichte beispielsweise über den gewöhnlichen Alltag eines Krankenpflegers oder die eines Indien-Reisenden.

Wie groß ist die jetzt-Community?
 
Am Tag kommen so ungefähr 150 neue Mitglieder dazu. Ab Herbst läuft eine große Kino-Kampagne für jetzt.de, deshalb will ich noch keine weiteren Zahlen nennen. Unser Ziel ist es, bis Jahresende sind eine Million Page Impressions im Monat zu erreichen.

Gibt es bei jetzt.de Probleme mit der Netikette (Vandalismus, Beschimpfungen, Missbrauch des Chats) innerhalb der Community?
 
Nee, das ist uns selbst unheimlich. Es herrscht ein wahnsinnig freundlicher Ton in den Chats. Dies hängt auch damit zusammen, dass die User Mitglieder der Heft-jetzt-Welt sind. Das kann sich natürlich ändern, wenn viele neue User hinzukommen. Um das freundliche Niveau zu halten, muss man zum Beispiel erst einmal einen Probetext schreiben, wenn man ein jetzt-Tagebuch schreiben will. Das schreckt Spinner und Störer ab.

Wie unterscheidet sich die jetzt-Community von Konkurrenten wie Giga, GZSZ oder Bravo.de? Was ist bei jetzt anders?
 
Bravo hat eine viel jüngere Zielgruppe. Außerdem bildet Bravo wichtige Teile des Lebens nicht ab. Uns reicht es nicht, Poster und die neuesten Gerüchte über Britney Spears anzubieten. Dreiviertel des Lebens besteht aus anderen Dingen. Für jetzt liegt der Glamour im Alltag. Die Starwelt stellt kaum Fragen ans Leben: Wie geht es weiter mit der Globalisierung? Was wird aus mir beruflich?
jetzt ist für smarte Jugendliche ohne elitären Touch. Für Leute, die organisieren, politisch engagiert sind und denen es nicht reicht, einen unterwürfigen Starkult zu betreiben. Jetzt will nicht die Jugend imitieren oder sich mit Sprache anbiedern. Jetzt wird keine süßen Boys anwatchen.

Ist die jetzt-Community eigenständig vom gedruckten jetzt oder ein VIP-Club für eifrige jetzt-Leser?
 
jetzt.de ist ein anderes Medium, aber beides wird von einer gemeinsamen Redaktion gemacht. Jetzt.de ist nicht abgekoppelt, die Bezüge sind da. Auf Marketing-Deutsch: Es sind zwei Ausprägungen einer Marke. jetzt.de ist kein unabhängiger Satellit, sondern eine Erweiterung des Markenkerns. Momentan überlegen wir, wie man im Heft stärker auf Online reagieren kann. Aber nicht: Wer mehr wissen will, siehe www etc. Wir wollen keine Cliffhänger-Tricks, sondern sinnvolle Ergänzungen. jetzt soll in der S-Bahn ohne Internetanschluss lesbar bleiben.

Können die Community-Mitglieder wirklich Einfluss auf jetzt.de nehmen? Haben sie die Möglichkeit, redaktionelle Inhalte mitzuproduzieren?
 
Interaktivität hat bei jetzt.de keine Feigenblatt-Funktion, sie ist kein Ghetto auf der Website, welches niemanden interessiert. Die User sind der Hauptbestandteil der Site. Leute empfehlen Dinge und erzählen die Welt aus ihrer Sicht. Wie zum Beispiel: "Okay, ich bin Werbetexter und sage jetzt mal, wie es in dem Traumberuf wirklich abgeht."

Können oder sollen die jetzt-Mitglieder durch interaktive Features Einfluss auf die Zeitschrift jetzt nehmen?
 
Geschieht teilweise bereits. Zum Beispiel beim Thema "Mein schönstes Uni-Seminar" haben Leser geschrieben. Zusätzlich haben die User durch Gästebuch und Forum Einfluss auf die Entscheidungen in der Redaktionskonferenz. Bei der Heft-Themensuche schauen wir auch auf die Website. Wir wären wahnsinnig, wenn wir brennende Community-Themen nicht aufgreifen würden. Doch das wird noch zunehmen.

Welche zukünftigen Möglichkeiten soll es in der jetzt-Community geben?
 
Wir haben noch viele Ideen in der Schublade. Gerade im Bereich Zeitvergeuden. Da könnte es ja auch irgendwann Kurzfilme, Fotoausstellungen, Online-Spiele und Flash-Animationen von Usern geben.
Es wird darum gehen, die Bühne für die Leser noch größer zu bauen. Leute kriegen eine Chance: "Du bist jung, du bist am Anfang, aber bei jetzt kannst du was machen." Diese jetzt-Bühne kann berühmt machen, wie man am Beispiel Benjamin Lebert sieht.


...............................................................
Mehr zu jetzt.de
Die Community-Site im Website-TÜV:
 gesurft: jetzt.de
...............................................................

 
 
 
 

 

...............................................................
weitere Community-Interviews:
 Bravo.de-Chef im Gespräch
 ???-Community-Betreiber im
Gespräch

 GIGA-Community-Chef im Gespräch
...............................................................