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"Politik wird wichtiger"


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Die New Economy aus soziologischer Perspektive. Prof. Dr. Roland Eckert, Soziologe an der Universität Trier, über New Economy, Kontrolle und Menschen an der Tastatur.
 


 

Halten Sie die New Economy längerfristig für gesellschaftlich bedeutsam, oder ist sie nur ein Medien-Marketing Hype?
 
Neue Kommunikationswege haben schon immer neue Märkte und Lebensbedingungen geschaffen. Dies wird auch diesmal so sein, vergleichbar mit der Entwicklung der Eisenbahn oder der Telegrafie im 19. Jahrhundert.
 

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die Fragen stellte:
Timo Wirth

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Welche negativen und positiven Folgen hat die New Economy für Kultur und Gesellschaft?
 
In der Kultur wird es zu einer weiteren Ausdifferenzierung von Spezialkulturen kommen. Je größer der Markt, umso spezieller die Produkte - das schrieb schon Adam Smith. Dies kann insbesondere von Minoritäten genutzt werden. Wenn sie sich auf diese Weise stabilisieren, kann dies freilich zu politischen Konflikten führen.

Ist die New Economy eine Chance zu besserer Arbeit und weniger Arbeitslosigkeit?
 
Jeder Technologiesprung (Kondratjew) führt erst einmal zum Anwachsen von Arbeitslosigkeit - im weiteren Verlauf zu neuen Arbeitsplätzen.

Ist die New Economy nicht eine Radikalisierung des Kapitalismus und damit ein Rückschritt für die soziale Marktwirtschaft?
 
Die Rolle der Gewerkschaften hängt an der räumlichen Interaktion der Beschäftigten. Die Gewerkschaften als Gegenmacht zur Industrie werden geschwächt.

Ist Politik als wirtschaftspolitisches Steuerungselement überhaupt noch gefragt?
 
Politik wird als Steuerungsinstrument sehr viel wichtiger. Beispielsweise müssen globale Finanzspekulationen durch eine politische Aufsichtsbehörde begrenzt werden. Für das Internet wird ja momentan mit ICANN eine Art Internet-Regierung eingerichtet. Generell werden innere Kontrollinstanzen bei Vermehrung der Möglichkeiten immer wichtiger, da Entscheidungen getroffen werden müssen.

Was geschieht mit den Leuten, die die Grundvoraussetzungen für die neue Wirtschaft (Computerkenntnisse, Flexibilität, Motivation, Mobilität) nicht mitbringen und welche Bedeutung hat diese Gruppe für die Gesellschaft?
 
Erhöhte Abstraktionsanforderungen (digitale Codierung) produzieren marginalisierte Gruppen. Der Mensch ist nicht auf die PC-Tastatur ausgelegt.

Können der erfolgreichen neuen Wirtschaft diese unproduktiven Gruppen nicht egal sein?
 
Nicht wenn die Kriminalitätsrate steigt. Das sieht man schon in den USA, in denen sich neben den Wirtschaftsvierteln fast mittelalterliche Festungsstätten gebildet haben. Die USA gibt mittlerweile mehr Geld für Gefängnisse als für Hochschulen aus. Der High Noon kommt noch.


 
   

Ist dies nicht gerade für Jugendliche ein extremes Problem?
 
Dies ist für etwa 10-20 Prozent der Jugendlichen ein Problem.

Was halten Sie von Förderaktionen wie "Schulen ans Netz"?
 
Förderaktionen sind dringend erforderlich, um die Zahl der PC-Analphabeten zu senken.

Welche Maßnahmen schlagen Sie vor, um die Gesellschaft für die New Economy fit zu machen?
 
Transnationale Kontrollinstitutionen müssen aufgebaut werden. Die sollten nicht staatlich sein und relativ autonom arbeiten, wie beispielsweise die Deutsche Bank.
 

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