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Justus ist eben ein Großmaul & Besserwisser


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Im Interview: André MarxAuch nach dem 100 Folgen Jubiläum ermitteln die drei Detektive weiter. André Marx, der Hauptautor der drei ??? hat inzwischen drei neue Fälle veröffentlicht. JavaJim sprach mit Marx in einem Kreuzberger Café über die dunkle Seite der kriminologischen Macht, die gespielte Angst von Peter Shaw und die sozialen Probleme von Justus Jonas.


Noch mehr Fragen und Antworten:
Rocky-beach.com-Fragebox
mit André Marx

 
 
 

   
 

Hitchcock beschreibt Justus Jonas als stämmigen Anführer der drei ??? mit einem erstaunlichen Talent zu logischen Schlussfolgerungen, mit Verstand und kühlem Kopf. Wie würdest du den 1. Detektiv charakterisieren?
 
Das stimmt schon alles. Allerdings was Hitchcock hier vergessen hat, ist, dass Justus diese Fähigkeiten also den Verstand und den kühlen Kopf nur hat, weil er so komplexgeladen ist. Er verdeckt mit seinem Wissen, dass er fett ist und echte soziale Probleme hat. Zu einem kommt er mit Freundinnen nicht zurecht und zum anderen weiß ich nicht, ob er überhaupt andere Freunde als Peter und Bob hat. Das ist eigentlich auch kein Wunder, denn Justus ist eben ein Großmaul und Besserwisser. Das ist einfach der Kehrseite des genialen Justus.
 

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die Fragen stellte:
Timo Wirth

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der Autor
André Marx ist 29 Jahre, lebt in
Berlin Kreuzberg und hat die drei ???
bisher in 19 Fällen ermitteln
lassen. Seine Bücher schreibt er
immer an einem anderen Ort.

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Wie ist deine Beziehung zu Justus Jonas? Bist du fasziniert von seinem Wissen, seinen detektivischen Fähigkeiten, seinem Ego und seinem Basteltalent oder siehst du ihn eher als fettwanstigen Angeber?
 
Meine Beziehung zu Justus hat sich im Laufe der Jahre geändert. Wenn ich früher Justus in der Realität getroffen hätte, hätte ich ihn wohl eklig und ätzend gefunden. Ich mochte ihn einfach nicht, wegen seinem Aussehen - ich stelle ihn mir sehr schwammig und blass vor - mit 20 bis 30 Kilo zu viel - allerdings mehr stämmig als fett. Inzwischen finde ich Justus immer faszinierender. Das Buch "Das Erbe des Meisterdiebs" hat mir Justus sehr viel näher gebracht. Er hat viele Probleme, aber ich mag ihn trotzdem inzwischen sehr.

Besonders in deinen Büchern wird Justus öfter lächerlich gemacht, ist verlegen, beleidigt, zornig und verkracht sich mit Peter - in einem Maße, wie es in den alten Folgen nie der Fall wie war. Versuchst du den rationalen Logiker bewusst mit Emotionen zu demontieren?
 
Ich finde das überhaupt nicht. Das wird mir seltsamerweise öfter vorgeworfen. Ich muss mich dagegen wehren. Ich setze ihn zwar oft peinlichen Situationen aus, doch bei Justus ist das wie bei den beiden anderen Peter und Bob. Ich stelle ihn gern menschlicher dar, eben gerade nicht als wandelnder Computer. Aber ich mache mich nicht lustig über ihn.
Das Just oft mit Peter Krach hat ist die logische Konsequenz aus beiden Charakteren. Beide habenso unterschiedliche Grundeinstellungen, dass es einfach öfter krachen muss. Doch dann kann Bob als diplomatischer Schlichter auftreten.

In "Doppelte Täuschung" bricht Justus in eine polizeilich gesperrte Wohnung ein und flüchtet vor der Polizei, in "Erbe des Meisterdiebes" will er aus Mitleid und Liebe zum Hehler werden - gerät er langsam auf die dunkle Seite der intellektuell-kriminologischen Macht?
 
Victor Hugenay ist der Imperator und versucht Justus auf die dunkle Seite zu ziehen. Hugenay hat bereits im Fall "Seltsamer Wecker" versucht, Justus' Genie auszunutzen. Ich frage mich, ob es Justus immer um Gerechtigkeit und Ordnung geht oder nur darum, das Rätsel zu lösen. In "Doppelte Täuschung" wollte Justus nur wissen was in der Wohnung ist, um den Fall lösen. Der Drang nach der Lösung war höher als das Befolgen von Recht und Ordnung. Da ist er wegen seines Ehrgeizes über das Ziel hinausgeschossen.

Im neusten Fall "Sieben Tore" fällt auf, dass Justus wieder viel selbstbewusster ist und detektivischer vorgeht. Wird sich sein Charakter wieder mehr in die Richtung eines der Logik getriebener Sherlock Holmes entwickeln?
 
Auch in "Sieben Tore" ist Justus besessen vom Rätsel. Er will den Fall aufklären und Erfolg haben, egal ob der Klient sagt hau ab oder ob die Tür versiegelt ist. Ob Justus wirklich mehr Sherlock Holmes, also der guten Seite angehört, weiß ich nicht so genau. Demnächst werde ich mich in einem Fall weiter intensiv mit Justus beschäftigen und die Frage, wie Just tickt, weiter ergründen.

Wie beurteilst Du persönlich deinen neusten Fall "Sieben Tore"? Was magst du besonders, was findest du eher misslungen?
 
"Sieben Tore" ist eines der schwierigsten Bücher, die ich bisher geschrieben habe. Ich hatte die Atmosphäre, die Figur Casper Carter und die Burg am Meer, wusste aber nicht wo die Geschichte hingehen sollte und hab mich so verzettelt. So habe ich am Ende noch einmal 40 Seiten gestrichen und neu geschrieben. Deshalb bin ich mit dem Buch nicht besonders zufrieden. Der Schreibprozess war zu ruckelig. Zunächst passte nichts so richtig zusammen. Ich finde es Durchschnitt. Ich mag sehr die Atmosphäre und die Stimmung.

Der Bilderdieb Hugenay taucht in "Erbe des Meisterdiebs" zum vierten Mal als Rivale der drei ??? auf. Du hast ihn schon zum zweiten Mal in deine Fälle eingebaut. Was fasziniert Dich an Hugenay?
 
An der Figur fasziniert mich fast gar nichts. Niemand hat Hugenay näher kennen gelernt. Das Zusammenspiel zwischen Hugenay und den drei ??? finde ich faszinierend. Wenn er Justus auf die dunkle Seite locken will. Es nicht klar, wo Hugenay wohnt und was er macht, ob er selbst einbricht, wie kriminell er ist und ob wirklich der Gentleman-Meisterdieb ist. Das Leben von Hugenay muss noch weiter erforscht werden. Möglicherweise wird er wieder kommen. Doch man darf es nicht übertreiben. Die Geschichte mit Hugenay muss entweder beendet oder reizvoll weiterentwickelt werden.

Wie wichtig ist für Dich Skinny Norris im ???-Universum? Hast du was mit ihm in Planung oder war er nun ein 100-Folgen-Geburtstagsgeschenk?
 
Ich dachte schon sehr früh an Band 100. Ich war der Meinung, es müsste etwas besonderes passieren. Bereits zum Zeitpunkt von Band 85 hat ich geplant, Skinny Norris wieder zum Jubiläum auftauchen zu lassen. Deshalb hatte ich ihn vorher nie eingesetzt. Skinny Norris war ein Geschenk. Doch danach sollte er wieder normal teilnehmen und immer wieder auftauchen. Doch bisher habe ich in meinen mittlerweile ja schon vier Büchern nach Folge 100 noch keinen richtigen Platz für ihn gefunden. Doch im gerade erschienen Fall "Schatz der Mönche" von Ben Nevis soll er wieder auftauchen. Ich bin gespannt.

Was hältst du von Skinnys Rolle als Erzfeind der drei Detektive?
 
Die Erzfeind-Idee war sehr gut. Doch jetzt nachdem die drei Detektive älter geworden sind, ist es etwas anderes. Schulhofpiesackerei und für Beleidigungen von Skinny auf dem Schrottplatz würden heute kindisch wirken, dafür sind alle Beteiligten mittlerweile zu alt. In der "Toteninsel" ist die Rolle von Skinny eine andere. Ich habe versucht ihn weiterzuentwickeln, da die alte Rolle nicht mehr so richtig funktioniert. Darum ist für mich jetzt auch nicht leicht, ihn wieder einzusetzen.

Du baust oft alte Figuren in deine Fälle ein, fallen dir keine guten eigenen Charaktere ein?
 
Ich baue alte Figuren ein, wenn ich denke, dass sie passen. Wenn mir eine Figur beim Schreiben in den Sinn kommt, dann verwende ich sie, aber ich suche nicht nach alten Figuren, um diese herum ich einen Fall schreibe. Der Einsatz von Vladimir Contreras aus "Bedrohte Ranch" in "Geheimsache Ufo" war ein Fehler. Den Fall würde ich heute sowieso ganz anders machen.

Viele Fans wünschen sich im Internet die Rückkehr alter Figuren, erfüllst du öfter mal ihre Wünsche?
 
Der Schrei der Fans nach alten Figuren bewirkt eher das Gegenteil. Ich werde Allie Jameson aus "Singende Schlange" und "Silbermine" nie zurückbringen. Auch habe ich kurz überlegt, ob ich in "Doppelte Täuschung" Mrs Darnley aus dem "Zauberspiegel" wieder einsetzen sollte. Doch dann hatte ich kein gutes Gefühl dabei. Es wäre zu gewollt gewesen. Mit den Fans ist sowieso immer so eine Sache: Die einen sind begeistert, wenn eine alte Figur wieder auftaucht, die anderen meckern und findet es anbiedernd.

Welcher Marx-eigene Charakter hat für dich die größte Bedeutung?
 
Jelena natürlich! Sie war plötzlich in meinem Kopf und hat gefordert, in bisher drei Büchern aufzutauchen. Ich verteidige sie auch immer. Sehr viele Leute finden sie zum Kotzen. Sie wird immer mal wieder einen Gastauftritt haben. Die Reaktionen auf Jelena ist eigentlich ein gutes Zeichen. Die Figur sorgt für viel Diskussion und Gesprächsstoff. Jelena ist ein Versuch, eine eigene Figur zu entwickeln. Normalerweise verändert sich keine Figur bei den drei ???. Jelena ist in "Musik des Teufels" zickig, in "Botschaft von Geisterhand" noch zickiger und bei der "Toteninsel" merkt sie, dass es so nicht weitergehen kann. Sie macht Zugeständnisse und ändert ihre Beziehung zu Justus.

Was ist mit deiner zweiten kontroversen, weiblichen Figur Britanny (die Komplizin von Victor Hugenay im Erbe des Meisterdiebs, in die sich Just verliebt)? Wird Sie noch einmal ein Rolle spielen, wohnt sie tatsächlich in der Nachbarschaft?
 
Britanny wohnt definitiv nicht in der Nachbarschaft. Dann wären sich Justus und sie schon wieder begegnet und das wäre dann eine ziemlich wichtige Begegnung und hätte es ein Buch eingebaut. Allerdings wäre die Beziehung zwischen den beiden jetzt erst richtig interessant, denn wir wissen nichts über Britanny. Alles war eine Lüge. Also es gibt 1000 gute Gründe sie näher zu beleuchten. Ich glaube sie wird zurück kommen. Es wird sehr spannend und viele werden sehr überrascht sein. Doch das heißt nicht, dass ich schon genau weiß, was passieren wird. Ich habe da noch keine klare Vorstellung.

Wieso macht Peter überhaupt noch bei den drei ??? mit? Er hat immer häufiger Angst, immer öfter Krach mit Justus und wird immer weniger von Bob und Justus ernst genommen? Welche Rolle spielt er noch im Detektivteam?
 
Peter gehört dazu! Er ist das ausgleichende Element. Wenn es Peter nicht gäbe, würde Justus abdrehen. Oder anders: Justus wäre noch halb so interessant. Peter meint es mit seiner Angst ja nicht wirklich so. Peter ist nicht blöd, sondern nur vorsichtig und kokettiert mit seiner Rolle. Auch Justus meint es nicht so, wenn er sagt, "dass mach ich mit links!". Wenn Justus allein ist verzweifelt und ist nicht mehr so selbstsicher. Das sieht man ja in den "Sieben Tore".

Welchen Fall wolltest du immer mal schreiben, doch es ist dir bisher nicht gelungen? Oder: Stell Dir vor, Justus hat ein Wunder-Tool programmiert: Man kann Charaktere, Setting, Rätsel, mysteriöse Vorfällen reinwerfen und raus kommt ein neuer Fall der drei ??? Was würdest du reinwerfen?
 
Bei dieser Möglichkeit fällt mir jetzt nichts ein, obwohl ich einen Ordner habe, in dem Ideen und Versatze aufbewahre. Einiges liegt da schon sehr lange drin. Lange Zeit ging es mir so mit Morton. "Tödliche Spur" sollte eigentlich meine zweites Buch werden, doch dann war es mein zehntes. Es hat Jahre an Entwicklung gebraucht.

Welchen Fall werden die drei Detektive als nächstes übernehmen?
 
Mein nächster Fall ist bereits fertig. Doch habe ich ihn noch nicht der ersten Korrektur unterzogen. Es ist eine Rocky-Beach-Geschichte, die aber im Umland spielt. Eine Hauptfigur ist ein siebenjähriges Mädchen. Dies ist mal was völlig anders. Das hat mir beim Schreiben sehr viel Spaß gemacht. Sie wird die drei ??? im ganzen Fall begleiten. Außerdem habe ich mich bemüht, viele Figuren einzubauen, mehr als in meinen letzten Fällen.

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Früher selbst "Die drei ???" gehört oder gelesen? Heute wieder oder immer noch?
 JavaJim-???-Forum

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- Das Erbe des Meisterdiebs
- und der Nebelberg
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