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Communities


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Infos zum AutorInfos zum Autor Für die einen sind Internet-Communities das Verwerflichste am Netz, für die anderen das Interessanteste. Und dann gibt es noch die, denen diese Diskussion egal ist, Hauptsache die Kasse stimmt. -- Ein Phänomen aus drei verschiedenen Blickwinkeln.
 

 

 

traditionsbewusste Kulturkritiker

Für Kulturkritiker wie Neil Postman sind virtuelle Gemeinschaften Pseudo-Gemeinschaften, die nur einen billigen Ersatz für reale Gemeinschaften darstellen. Das Ideal ist die traditionelle Gemeinschaft. Diese entsteht laut Soziologe Ferdinand Tönnies (1934) durch Dauerhaftigkeit, Vertrautheit und örtlicher Nähe. Dieses Konzept bezieht sich ausschließlich auf die materielle Dimension: Gemeinschaft ist ein Kreis von sozialen Beziehungen, die innerhalb festgelegter örtlicher Grenzen operieren. Vernachlässigt wird die symbolische Dimension: Gemeinschaft bezieht sich immer auch auf geteilte Werte, Ziele und/ oder Interessen. Gerade bei dieser zweiten Dimension haben heute traditionelle Gemeinschaften Probleme, da sie mehr auf Äußerlichkeit als auf Innerlichkeit basieren. Kulturkritiker gehen meist von einem idealisierten Bild der traditionellen (Dorf-) Gemeinschaft aus und berücksichtigen dabei nicht die Zunahme von Mobilität und sozialer Ausdifferenzierung.
 

   

kommunikationsfreudige User

Aus der Sicht der kommunikationsfreudigen User sind Communities mehr als "second hand communities". Denn aufgrund der eingeschränkten Kommunikation sind sie auf gemeinsame Symbolwelten und Interessen gebaut und nicht auf räumliche Nähe.
Das erzeugt zahlreiche Vorteile:
-- größerer Kommunikationskreis: Das Netz bringt die User zusammen, die sich für das gleiche Thema interessieren. So werden Kenntnisse in diesem Bereich erweitert und das Interesse intensiviert.
-- Anonymität: Dadurch, dass die User sich nicht gegenseitig sehen, steht allein die getippte Information zur Verfügung. Dies erleichtert eine themenbezogene Diskussion. Außerdem besteht zunächst Gleichheit unter den Mitgliedern, es kommt nicht zur Diskriminierung oder Hierarchisierung aufgrund von Ausehen oder Titeln. Nur der Kommunikationsakt zählt. Das Medium Internet ermöglicht es den Usern, so viel von sich Preis zu geben, wie sie möchten oder gewisse Eigenschaften zu betonen und andere zu vernachlässigen.
-- Bequemlichkeit: Communties im Internet bieten den Vorteil, dass die User bestimmen können, wann, wie lange und wie intensiv sie sich über ein Thema äußern wollen. Durch Chats und Foren verlieren Ort und Zeit in bezug auf Gemeinschaftsbildung ihre Bedeutsamkeit. Aufgrund der Unverbindlichkeit der Netzkommunikation ist eine Kontaktaufnahme sehr einfach.
 

 
   

Profit-Maximierer

Wenn sich User regelmäßig auf einer Website treffen, bedeutet dies für den Anbieter in erster Linie Profit - sei es in Form von Werbebannern oder in Form von e-Commerce. Die User-Bindung wird durch interaktive Möglichkeiten (Chats, Foren, Abstimmungen etc.) verstärkt. Ein entscheidender Grund warum Anbieter wie "Amazon" oder "Ciao.com" so erfolgreich sind, ist dass sie ihre User zu Rezensenten oder Ratgebern machen. Beachten muss man, dass hier keine Community im eigentlichen Sinne besteht, da sich die User meist nicht explizit aufeinander beziehen und keine Beziehung zueinander aufbauen. Bei negativen Vorfällen seitens der Anbieter (z.B. starkes Zensieren von Beträgen), können die Kommunikationsmöglichkeiten sehr schnell gemeinschaftlich zum Schaden des Anbieters verwendet werden. Durch das Internet hat sich die Anbieter-Konsument-Beziehung nachhaltig verändert.
 


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Community-Interviews:
 Giga Community-Chef im Gespräch
 Interview mit dem Macher der
non-profit "drei ???"-Community

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Timo Wirth
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Literatur zum Thema:
-- Howard Rheingold: Virtuelle Gemeinschaft. Addison, 1994.
-- Ferdinand Tönnies: Gemeinschaft und Gesellschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1935/1988.
-- Marc A. Smith & Peter Kollock: Communities in Cyberspace. Routledge, 1999.