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jetzt.de


Infos zur AutorinInfos zur AutorinLange war jetzt.de nicht mehr als ein online-gestelltes Heft. Seit August hat die Jugendbeilage der Süddeutschen einen neuen Auftritt, der von der Schreib-Lust der User leben soll. Verblüffend: Die Community ist nicht laut, sondern nachdenklich. Wann brüllt mal einer im Forum?
 



jetzt.de

 

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Relaunch-Fakten:
Entwicklung: jetzt-Redaktion in
Zusammenarbeit mit der jetzt-Grafik
Dauer: 8 Monate
Jahresbudget: 2,3 Millionen
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jetzt.de
 
Einstiegsseite:  Die Startseite wird zu wenig als Schaufenster genutzt. Neue Community-Inhalte werden zu dezent angefeaturet. Die Hälfte der Seite (horizontale Navigationsleiste mit Feature-Bild) ist statisch und sieht immer gleich aus. Alle 1-2 Tage werden neue Inhalte angekündigt. Einige Anreißer bleiben eine ganze Woche stehen. Für eine Community-Site ist die Startseite zu träge.
 
Design:  Reduziert, pixelig und fantasievoll. Die Entscheidung für eine 2-Frame-Lösung ist unglücklich: Die Community-Leiste im oberen Frame mag sinnvoll sein, doch der Banner-Frame unten stört vor allem bei 800x600-Auflösung. Auch die horizontale Navigationsleiste oben nimmt viel Platz in Anspruch, so dass die neuen Inhalte auf den Unterseiten weit nach unten rutschen. Sehr liebevolle Details (Rubrikenköpfe), manchmal zu dezent (Überschriften).
 
Navigation:   Die globale Navigation befindet sich waagrecht im Kopf der Seite. Die DHTML-Lösung mit Flyout erlaubt den Blick in die Unterrubriken. Der Standort wird nicht konsequent markiert. Nur in der Oberrubrik zeigt ein kleines Quadrat, wo man sich befindet. Die Teilbereiche der Unterubriken werden in einer linken Menüleiste dargestellt. Durch Farbgebung wird in dieser Überkreuz-Lösung der Bezug zwischen Hauptmenü oben und Untermenü links hergestellt. Auf der Artikelebene wird man zum spontanen Klicken angeregt: Die "Best of"-Anreißer in der rechten Randspalte bieten einen schnellen Navigationsweg und sind ideal für den flanierenden User. Nachteil: Durch die Logo-Platzierung rechts entsteht eine Rechtsausrichtung der Seite, wodurch man dazu tendiert, die Navigationsleiste links zu ignorieren. Großes Minus: Es gibt keine globale Suchfunktion. Außerdem: Keine Alt-Tags, kein nach-oben-Button, keine Fußnavigation. Und noch was: Was bloß, was will uns das riesige Feature-Bild auf Seiten wie dieser sagen? Nachdem man das Element von oben bis unten abgeklickt hat (Fehlanzeige, vielleicht hat jemand beim Veröffentlichen vergessen, den Verlinkungsknopf zu drücken), gibt man entnervt auf. Bitte: Don't make me think!
 
Site-Architektur:  Das unkonventionelle Labelling der Hauptbereiche ("Wissen sammeln", "Dran bleiben", "Star sein", "Freunde treffen" und "Zeit vergeuden") funktioniert. Durch die trennscharfen Rubriken und die funktionale Hauptnavigation ist die Gliederung der Site schnell zu erfassen. Die Community ist konsequent in den öffentlichen Inhalte-Bereich eingeflochten. Der Login-Bereich wirkt so äußerst einladend. Auf der zweiten Ebene (Übersichtsseiten der Hauptrubriken) wird viel Potential verschenkt. Die Seiten sind vollkommen statisch. Statt die aktuellen Highlights aus den Unterrubriken zu präsentieren, erklären sie die Teilbereiche ("Tagebuch", "Kolumnen", "Deine Popkritik" etc.).
 
Inhalt:  Das neue jetzt.de ist in der Tat mehr als das Heft. Jedes Community-Mitglied darf sich mit drei Texten als jetzt-Autor bewerben. Dann kann losgeschrieben werden. Über ein Popup kann man seinen Text eingeben, der per Knopfdruck direkt publiziert wird. Neben den Community-Mitglieder schreiben auch die Kolumnisten des jetzt-Magazins. In der Alltagswelt der jetzt-User zu schmökern ist kurzweilig, die Beiträge sind (bis auf Ausnahmen) ganz und gar nicht müllig. Die Mit-Produktion hält sich allerdings noch in Grenzen. In redaktionell betreuten Rubrik "Dran bleiben" finden sich (SZ-)Service, Termine und Events finden. Das aktuelle jetzt-Magazin kann bereits drei Tage vor Erscheinen online gelesen werden.
 
Textaufbereitung:  Die jetzt-Community lebt von den Texten. Doch das Lesen am Monitor macht bei jetzt.de nicht viel Spaß. Der User muss sich durch eine breite, lange Textlatte quälen. Kleine Überschrift, kein Vorspann, keine Zwischenüberschriften, graue Schrift. Wenn man Pech hat, noch nicht mal Absätze zum Durchatmen. Hier wird der Vorteil (die Community-Texte werden nicht redigiert) zum Nachteil. Denn nicht nur für den Inhalt auch für die Textaufbereitung gilt: Jeder Text ist so gut, wie sein Autor. Doch halt, nicht alles auf die User schieben: Das online-gestellte Heft ist auch alles andere als internet-freundlich aufbereitet. Noch breitere Spalten, keine Zwischenüberschriften, keine Auslagerungen. Es gibt keine Druckversion. Schön ist aber die Funktion: "Alle Beitäge von ..". Der Klick auf den Autor macht große Freude, hier gelangt man zur "jetzt-Page", der Präsentier-Bühne des Community-Mitgliedes samt Gästebuch.
 
Interaktivität:  Die geframte Community-Leiste zeigt, ob Freunde online sind oder ob eine jetzt-Botschaft eingetroffen ist. Infos über die Community-Aktivitäten insgesamt fehlen aber. Die interaktiven Angebote an die User sind durchweg kompetent umgesetzt. Die Registierung ist kurz und schmerzlos. Funktionen wie Botschaften verschicken, Infos in die persönliche jetzt-Page eintragen, andere zum Chat einladen etc. sind leicht zu bedienen (und noch dazu schön anzusehen). Die Integration von Community-Features ist allerdings noch ausbaufähig: so fehlt z.B. im Artikel die Option, den Text zu kommentieren. In den Foren und im Chat geht es sehr gesittet zu. Auch die Gästebücher werden noch nicht extensiv genutzt. Nett: Der nach Vorbild des Alanis Morissette Lyrics Generator gestrickte Tocomat. Die Scrollleiste im Popup verdient jedoch die Note 6.
 
Quelltext:  Die unzähligen überflüssigen Zellen mit Blind-gifs sind eine Schande. Hinzu kommen Tabellenverschachtelungen, dass einem die Augen übergehen. Die kleine Startseite ist 169 KB groß. Bei den wenigen Dingen, die jetzt.de auf die Startseite packt, ist die Ladezeit wirklich indiskutabel. Der geframte Banner, der bei jeder Seite neu über einen gesonderten Ad-Server heruntergeladen wird, tut sein Übriges.
 

 

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Mehr zu jetzt.de
Der Redaktionsleiter von jetzt über
den Einfluss der Community und den
Unterschied zu Bravo.de:
 Timm Klotzek im Interview mit
JavaJim

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Fazit

Noch fehlt der Site die sprudelnde Energie, die durch tausende von spontanen Community-Beiträgen entsteht. Diese können zwar gedankenlos bis hirnlos sein, doch davon lebt Selbstinszenierung in Online-Communities. Die jetzt-Community ist eine hippe, hübsch sanierte Altbauwohnung mit Ikea-Möbeln. Bezieht sie und macht Unordnung!  
 
 


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Heike Edinger
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