{die Zentrale}    
 
Newsletter abonnieren
 

{zurück zur Übersicht}    








 

   

Der Kampf des Pop


Printversion

Infos zum AutorInfos zum Autor Couch Potatoes sind keine "Cultural Dopes", die von der Kulturindustrie mit kapitalistischer Ideologie zugeballert werden. Sie produzieren aktiv, was sie sehen. So ähnlich lautet die wichtigste Popkultur-These von John Fiske. Der deutsche Reader "Die Fabrikation des Populären" bündelt zum ersten Mal Fiskes wichtigste Texte.
 

 

 

Populäre Kulturgüter wie Filme, Serien, Werbespots, Musik und Einkaufscenter sind nicht nur dazu da, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Auch ist banales Amüsieren oder das Indoktrinieren von kapitalistischer Ideologie nicht das Hauptelement von Populärkultur.

Kapuzenpullover trifft Kate Winslet

Madonna, Nike, H & M, GZSZ oder Titanic sind nur Rohmaterial des Pop. Populärkultur wird erst durch den Konsumenten geschaffen. Es findet ein 'struggle' - ein Kampf oder milder ausgedrückt: ein Aushandlungsprozess - zwischen kommerziell angefertigten Images und der Kreativität des Verbrauchers statt. John Fiske - einer der wichtigsten und gleichzeitig einer der meistkritisierten Vertreter der British Cultural Studies - hat sich in seinen Studien über Alltags- und Medienkultur den Konsumenten verschrieben.
 

   

play it again! Madonna und die Ewings

Fiskes Hauptanliegen ist es zu zeigen, dass die Konsumenten nicht der Macht der Kulturindustrien ausgeliefert sind, sondern im Spiel um kulturelle Bedeutungen aktive und produktive Mitspieler sind. Populärkultur wird zum Großteil von den Konsumenten gemacht. Sie sind es, die den Dingen eine Bedeutung verleihen, sie umdeuten oder kontextuell verfremden. So entsteht im täglichen Konsum kulturelle Differenzierung und Identität. Fiske hat seine Popular-Culture-Theorie, in der radikal die produktiven Konsumenten fokussiert werden, bereits Mitte der 80er Jahre entwickelt - zur Blütezeit von TV-Werbung, "Dallas" und "Denver Clan". Doch seine Theorien, die eine Verknüpfung von modernem Marxismus und Semiotik sind, sind heute im Zeitalter von Daily Soaps, "Big Brother" und Gerichtsshows brauchbarer denn je. Auch die aktive Nutzerrolle der Konsumenten im Internet geben Fiskes Theorien neue Anwendungsfelder und erhöhen ihre Relevanz. Der Reader "Die Fabrikation des Populären" enthält auch Fiskes neuere Texte, in denen er seine Ansätze mit Problemen des Multikulturismus erweitert.
 


 
 
   

doing Cultural Studies

Fiske versteht es durch zahlreiche Analyse-Beispiele kultureller Texte - wie etwa dem Phänomen "Madonna" oder dem Bruce-Willis-Film "Stirb langsam" - komplexe Theorieverknüpfungen interessant und nachvollziehbar darzustellen.
 
Dies gelingt deutschen Cultural-Studies-Büchern eher selten. Sie sind meist umständlich vertheoretisiert und halten sich mehr an der Abhandlung und Begründung von Cultural Studies auf, als es selbstbewusst und konkret zu betreiben. Ganz anders Fiske, der in seinen Artikeln von 1978 bis 1998 immer das Ziel verfolgte, die komplexen Bedeutungsfelder und verwobenen Machtverhältnisse von Populärkultur aufzuzeigen und zu analysieren. Ganz anders auch der Herausgeber Rainer Winter (  im Interview) in seinem Einleitungsartikel über John Fiske und 'popular culture'.
 


 

...............................................................
Mehr zu Cultural Studies
Ist alles Pop?
 Rainer Winter im
Popular Culture-Interview

...............................................................
   

Fazit

Ein Muss für Cultural-Studies-Interessierte - besonders auch für diejenigen, die deutsche Textbücher bisher für unnötig hielten. Das Buch ist außerdem ein kompetent-relevanter und dennoch einfacher Einstieg für Cultural-Studies-Beginners.   
 
-- Rainer Winter; Lothar Mikos (Hg.). Die Fabrikation des Populären: Der John-Fiske-Reader. transcript, 2001, 25 Euro.


...................................
Timo Wirth
...................................