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Ekel Max


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Infos zur AutorinInfos zur AutorinJuli Zehs Debüt-Roman begeisterte die Kritiker von Süddeutsche bis Brigitte. In "Adler und Engel" geht es um weggeblasene Gehirne, abgeschnittene Ohren, blutende Nasen, rasierte Kopfhaut, ungewaschene Körper und krankes Gedärm. Es fließt Blut. Auch beim Leser, der unter Zehs Metaphernflut leidet.
 

 

 

Juli Zeh, neues Frolleinwunder am deutschen Literaturhimmel, geht mit allerhand Vorschusslorbeeren ins Rennen um die Lesergunst: Die 27-jährige Völkerrechtlerin weist streberhafte Landesbestnoten auf und ein Dichter-Diplom vom Literaturinstitut in Leipzig. Ihr Ego pflegt das Nachwuchsküken entsprechend mit einem ganzseitigen Autorenfoto in intellektueller Bohème-Pose auf der Umschlagrückseite. Was uns diese wichtigtuende Ausnahme-Nachwuchsautorin jedoch liefert, ist ein schwerverdaulicher, übelerregender Roman, worin unschön geredet wird. Durchweg abstoßend sind dabei Zehs Schreibe und ihre fixen Ideen.
 

   

Übeltäter und Übelkeit

Der Vollblut-Yuppie Max - Mäx the Mäximal wie er genannt wird - schmeißt seine bürgerliche Existenz hin. Seine Freundin Jessie hat sich beim letzten Telefonat mit ihm in den Kopf geschossen. Sein Leid beichtet er in der Radioshow von Clara. Die riecht in der Krankengeschichte ein gefundenes Fressen für ihre Diplomarbeit in Psychologie über "Pathologie des organisierten Verbrechens". Sie bringt Max dazu, seine Lebensgeschichte auf die Bänder ihres DAT-Recorders zu sprechen. In diesen Rückblenden erfahren wir von Gottes vergessenen Kindern Max, Jessie und Shershah auf ihrem Weg in die böse Welt der Erwachsenen.
 


 
 

Juli Zeh als
Dichter-Diplomantin.
   

Völkerrecht und Völkerkrieg

Die verhaltensgestörte Jessie ist von Kindesbeinen an Koks-Dealerin und ihr Papi ein Drogen-König. Max mausert sich vom fetten und pickligen Außenseiter zum smarten Kanzlei-Yuppie. Als er seine Jugendliebe Jessie wiedertrifft, erkennt Max, dass mit diesen Drogengeschäfte der Balkankrieg finanziert wird und dass er mit seiner Erfolgskanzlei auch im Dienste dieses organisierten Verbrechens stand. Seine Desillusion nährt sich aus der Erkenntnis, dass die Welt übel ist, dass er mitgearbeitet hat an dem fein eingeflochtenen Netz für Drogenhandel von Jessies Vater. Ab sofort wirft er seine glatte Existenz weg und schreitet zur Selbstzerstörung.
 


 
 

Juli Zeh als
Erfolgs-Debütantin.
   

Himmel und Hölle

"Mir ist schlecht", hört man oft im Roman. Das sauber eingefädelte Leitmotiv stößt uns mit der Nase darauf, dass die Welt in den Augen von Juli Zeh schlecht ist. Das ist mir auch - vom Lesen. Die Nachtseiten der bösen Welt zeigt uns Zeh mit den Brechmitteln ihrer Stilmittel: giftig, abgebrüht und kaputt. Ihre ständig dem Leser zum Fraß vorgeworfenen unzähligen Vergleiche und Metaphern liegen schwer im Magen.



   
   

Fazit

Mal keine neue deutsche faserhaltige Literatur aus der Pop-Fraktion. Aber der Roman, der als "ein schwarzes Buch über eine hässliche Welt" gepriesen wurde, ist mit überfetteten Vergleichen überfrachtet, hat deutliche Überlänge und bringt unglaubwürdige Vorkommnisse. Damit schreibt sich Zeh ins Abseits. Jenseits von Gut und Böse.  
 
-- Juli Zeh: Adler und Engel. Schöffling & Co. 2001, 445 Seiten, 46 Mark, gebundene Ausgabe.


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Jutta Edinger
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