{die Zentrale}    
 
Newsletter abonnieren
 

{zurück zur Übersicht}    








 

   

Stern.de


Infos zur AutorinInfos zur AutorinMit einem Cockpit fing alles an. Irgendwann wollte jedoch keiner mehr experimentieren. Auch der Stern nicht, er tauschte sein Cockpit gegen drei Spalten. Und nach dem jüngsten Feinschliff muss man gestehen: Schick geworden.
 



Stern.de

 

direkt zu Stern.de

   

Stern.de
 
Einstiegsseite:  Die Startseite begrüßt den User perfekt gestylt und aufgeräumt. Man gerät in Versuchung, nach unten zu scrollen, um zu schauen, ob auch die Fußnägel lackiert sind. Bäh, sind sie nicht. Der Schwerpunkt liegt im Kopf der Seite. Vier knallige Promoboxen teasern die Highlight-Geschichten. Darunter hat jedes Ressort einen eigenen Schaukasten. Der Ressortaufmacher wird mit Vorspann und Bild geteasert. Drei weitere Stories folgen mit Schlagzeile. Effektvolle Bild-Teaser in der rechten Randspalte.
 
Design:  Dezent, streng und filigran. Die Inhalte kommen durch das zurückhaltende aber dennoch schicke Grunddesign perfekt zur Geltung. Das erstklassige Fotomaterial kann so ungestört die Seiten dominieren. Das Farbleitsystem bringt zwar Abwechslung in die Site, wirklich funktional ist es aber nicht. Dafür sind die Farbtöne zu unscheinbar und zu wenig trennscharf (die drei unterschiedlichen Grauabstufungen von Home, Politik und Computer & Netze sind kaum einprägsam). Die Überschriften haben die Leitfarbe des Ressorts. Bei aller Liebe, man kann's auch zu bunt treiben.
 
Navigation:  Fast schon zu ausgetüftelt: Globale horizontale Navigation mit DHTML-Flyout, die auf den unteren Ebenen zu einer Überkreuznavigation wird. Das ist noch nicht alles: Klickt man sich tiefer in die Site, rückt die ausgewählte Unterrubrik ganz nach oben in der linken vertikalen Navigationsleiste. Dadurch wechselt ständig die Reihenfolge der Unterrubriken. Die Leiste ist dürftig hierarchisiert (Unter-Unterubriken werden fünf Pixel eingerückt) und dürftig standort-
markiert (schwarze Schrift). Die bereichsspezifische Navigation ist grafisch nicht mit der Hauptnavigation im Kopf verbunden. Man nimmt sie nicht als Einheit war.
 
Großzügige Ressortköpfe markieren den Navigationsstandort. Möglicherweise hat man deshalb in der Menüleiste auf eine ordentliche Standortmarkierung verzichtet. Reicht doch. Nee, reicht nicht. Der Nutzer, das Gewohnheitstier, schaut immer erst nach links, wenn er sich verlaufen hat. An einigen Stellen wird geschlampt: Überschriften der Ressort-Aufmacher sind nicht klickbar (sonst ja), der Rubrikenkicker mit Pfeil ist nicht klickbar (bitte keine Verkehrszeichen missbrauchen).
 
Ach ja, fast vergessen: Die neuen Features! "Suche", "Pressedatenbank", "Shortnews" und "Messenger" (wohin damit?) sind in einem sticky Navigationsmodul untergebracht und scrollen mit. Nur ein Promogimmick? Ja bestimmt.
 
Site-Architektur:  Die Hauptrubriken haben eine straff hierarchisierte Struktur mit vier Ebenen. Unterstützt durch die Flyout-Navigation wird zumindest Ebene 1 und 2 klar visualisiert. Die Specials sind den Ressorts zugeordnet, haben aber in der Navigation keinen festen Platz (mal zweiter Unterpunkt, mal letzter, mal vorletzter, mal, äh, vor-vorletzter (ja, wirklich)). Die Zusatzfeatures "Suche", "Pressedatenbank", "Shortnews" und "Messenger" sind eigenständige Bereiche. Ausgegliedert ist außerdem der Heft-Inhalt. Die Ordnungsschemata sind nicht immer gleich: Vier Ressorts haben die Unterrubrik "News", drei nicht.
 
Inhalt:  Stern.de geht zurück zu seinen Wurzeln: Magazin-Geschichten, Tagesthema, Hintergründe, Themen-Specials. Einige wenige tagesaktuelle Nachrichten (alles wohlüberlegt selektiert) werden aufbereitet. Nachrichtensicherheit leistet Stern.de damit nicht, erwarte ich auch gar nicht. Als würde man ohne Ticker-News als Online-Medium was falsch machen, gibt es bei Stern dennoch einen, ja richtig: Agentur-Ticker. Das Politik-Ressort wird fast ausschließlich über Agenturnachrichten gefüllt. Doch lassen wir die schnellen News: Richtig gelungen sind bei Stern.de die vielen Specials. Auch die Service-Features werden professionell präsentiert, so dass man nicht reflexartig abwinkt "Bah, Schritt-für-Schritt-zur-Steuererklärung, nee danke, hab schon!".
 
Textaufbereitung:  Wie war das noch in den Anfangszeiten des Web? Man diskutierte endlos über eine hypertextuelle Aufbereitung der Texte. "Internetgerecht" nannten das die einen. "Da muss ich ja alles extra anklicken" beschwerten sich die anderen. Schon wieder vergessen? Nicht so Stern.de. Dort entsann sich einer der "internetgerechten" Aufsplittung von Texten. Die Textabschnitte sind damit zwar kurz, doch wer, um Himmelswillen, klickt neun Texte durch (sauber markiert mit Zahlen 1 2 3 4 5 6 7 8 9)? Nee, sowas mach ich höchstens bei Google. Und höchstens bis Zahl 4. Na, dann werden die Texte eben nicht bis zum Ende gelesen. Auch der Trick mit der Printversion funktioniert nicht, die gibt's nämlich gar nicht bei Stern.de. Ansonsten? Breite Textspalte, lange Absätze, gute Zwischenüberschriften, kein Vorspann.
 
Interaktivität:   Fester Bestandteil von Stern.de ist seit dem Relaunch die Newscommunity "Shortnews". Shortnews funktioniert nach dem Prinzip "User posten News für User". Hört sich nicht weiter spektakulär ist, ist es auch nicht. Wirkliche Entdeckungen finden hier nicht statt: "Die Toten Hosen sorgen für neues Fortuna Trikot", das kriegt man entweder auch so mit oder muss es nicht wissen. Jedes Weblog ist spannender. Die üblichen Verdächtigen finden sich unter "Mein Stern.de": Foren, Chat, Gewinnspiele, Grußkarten und - ganz nett - Homepages.
 
Quelltext:  Der Quellcode ist heftig: Die drei Bildschirmseiten lange Startseite bringt es auf 266 KB (inklusive Bilder). Die Seite besteht außerdem aus unfassbaren Tabellenkonstruktionen, die den Browser unendlich lange rechnen lassen. Wer eine solche vom WYSIWYG-Baukasten ausgespuckte Seite online stellt, hat nicht mehr Nutzer verdient. Wirklich nicht.
 

 
 
   

Fazit

Wenig schnelle News, dafür knallige Fotostrecken und ausführliche Specials: Stern.de ist magaziniger geworden und koquettiert geschickt mit dem User. Die Navigation unterstützt den User wenig - aber wie ist das mit Wundertüten? Reingreifen, rausholen, freuen.   
 
 


...................................
Heike Edinger
...................................