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Netzeitung


Infos zur AutorinInfos zur Autorin Die erste deutsche, nur im Netz publizierte Tageszeitung von Ex-Stern-Chef Michael Maier liefert soliden Online-Journalismus, doch keine Revolutionen. Das Innovativste an der papierlosen Zeitung? Das "Altpapier".
 



Netzeitung
 
Norwegisches Vorbild:
Nettavisen

 

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Netzeitung
 
Einstiegsseite:   Für ein Internet-Nachrichten-Angebot wirkt die Schlichtheit der "Titelseite" fast schon suspekt: Wie - so wenig Inhalte? Doch der erste Eindruck trügt: Je weiter man nach unten scrollt, um so mehr drängeln sich die Headlines - mit Winzigschrift hat man schließlich am Ende der Seite "Alle Meldungen" auf einen Blick. Ein Service für den fanatischen Such-Surfer oder den nervösen Klicker, der auch die Headline "Hoch hinaus" mal probeweise ansurft. Zusatzfeatures wie Börsen-Überblick, Ticker oder Wetterinfos sind gekonnt integriert und konkurrieren nicht um die Aufmerksamkeit mit den wesentlichen Inhalten. Dies hält die im Ganzen äußerst selektionsfreundliche Startseite sehr überschaubar.
 
Design:  Sachlich, dunkelblau, serifig. Die steife Optik lässt die Netzeitung seriös wirken, doch nicht mehr. Die für alle Textebenen gewählte Schrifttype Times New Roman zeigt fast lehrbuchmäßig: die Times New Roman ist keine Bildschirmschrift. Im Netz Texte zu lesen ist anstrengend genug, da sollte ein Informations-Anbieter die Typografie nicht aus Distinktionsgründen wählen. Verdana ist zwar allgegenwärtig, doch sicher nicht ohne Grund. Auch die textbasierte Navigation in serifigen Versalien wirkt unbeholfen. Ein Plus: Es wurde wenigstens auf die Schattierung der Fotos verzichtet.
 
Navigation:   Klassische linke Navigationsleiste mit hierarchisierter Struktur. Anfänger-Schnitzer wie sensitiver Home-Button auf der Home-Seite. Die Rubrikenbezeichnung der Teaser ist nicht sensitiv und ermöglicht so dem User keinen schnellen, flexiblen Klick in Rubriken-Übersicht. Die Verlinkung auf der Artikel-Ebene ist unprofessionell bis katastrophal: Völlig inkonsistent wird einmal im Fließtext verlinkt, einmal in einem Zusatzkästchen. Zusätzliche Verwirrung entsteht, da zwischen interner und externer Verlinkung weder durch Icon-Einsatz noch durch feste Platzierung unterschieden wird. Mal führen ausgelagerte Links ("Im Wortlaut") auf externe Websites, mal (gleiches Design, Label "Aktuell aus Florida") zu eigenen-produzierten Inhalten. Auch bei der Verlinkung im Fließtext fehlt dem User die grundlegende Information, ob er mit dem Klick auf den Link "Dinosaurier" auf einer ausführlichen NZ-Rezension landet (falsch) oder auf Disney.de (richtig). Die Standort-Orientierung wird durch einen (nicht sensitiven) Navigationspfad und die Hervorhebung in der Navigationleiste sichergestellt. Großzügige Rubrikenköpfe werden nicht eingesetzt.
 
Site-Architektur:  Die Site ist übersichtlich nach den fünf klassischen Ressorts Deutschland, Ausland, Wirtschaft, Medien, Sport gegliedert und setzt weitere Schwerpunkte bei Entertainment, Universität und Voice of Germany (der Meinungsplattform). Auch die drei Informationsebenen Home, Rubriken-Übersicht, Artikel sind straff strukturiert angelegt.
 
Inhalt:  Die Site wird kontinuierlich aktualisiert. Lobenswertes Detail: Die Aktualität wird nicht nur durch das letzte Update-Datum im Kopf der Seite markiert, sondern auch durch die Datum-Uhrzeit-Angabe unter jedem Anreißer. Der NZ-Cartoon ist medienadäquat Flash-animiert. Im "Altpapier" zu wühlen macht bei der papierlosen NZ richtig Spaß - dort findet sich die tägliche Medien-Dosis von gestern. Die an den Diskurs in britischen Tageszeitungen angelehnte Meinungsplattform "Voice of Germany" klingt vielversprechend, ist jedoch (noch) enttäuschend zahm und mager.
 
Textaufbereitung:   Medienadäquat finden sich bei der Netzeitung keinen langen Scrolltexte, sondern gut gegliederte Artikel mit Vorspann, kurzen Absätzen und konsistent eingesetzten Zwischenüberschriften. Die gute Textaufbereitung kompensiert zumindest teilweise die schlechte typobedingte Lesbarkeit.
 
Interaktivität:  Mager. Zwar wird auf nichtssagende Spielereien wie Votes und Stromtarifrechner verzichtet, doch auch sinnvolle Partizipationsangebote an den Leser wie Diskussionsforen fehlen gänzlich. Statt dessen erwartet den Leser unter jedem Artikel die Aufforderung "Empfehlen Sie diesen Artikel einem Bekannten" samt platzverschwenderischen Formularfeldern. Kein Shop, keine Probeabo-Aufforderung? Erfrischend.
 
Quelltext:   Trotz schlichtem Design, reduziertem Bildereinsatz und textbasierter Navigation lädt die Site indiskutabel lange. Der Grund für die langen Ladezeiten ist ein schlichtweg unprofessionelles Tabellengerüst. Die Tabellen sind bis zu vierfach verschachtelt und werden antiquiert zum Erzeugen von neuen Zeilen oder Randabständen eingesetzt.
 

 
   

Fazit

Im Hinblick auf den fortgeschrittenen Status des Online-Journalismus - sowohl was die Umsetzung als auch die Leistung anbelangt - mutet die Netzeitung merkwürdig rückständig und verstaubt an. Die drei großen Potentiale der Internet-Zeitung Interaktivität, Multimedialität und Intertextualität werden entweder völlig missachtet oder unbeholfen umgesetzt. Einzig auf Aktualität zu setzen, ist zu wenig, um sich im dicht gedrängten Feld der Internet-Nachrichtenangebote neu zu positionieren.  
 
 


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Heike Edinger
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