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Bifi goes trash


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Infos zur Autorin Fünf unterbelichtete Typen, eine Firma, bei der ausgestopfte Waschbären übers Fliessband rollen und ein Salamisnack. Die neue Image-Kampagne für das biedere Bifi-Würstchen hebt Geschmacklosigkeit aufs Podest und macht sie zum Kult.
 


bifi.de
zomtec.com
Spot bei kress

 

In den 80ern rief man sich noch gutgelaunt ein "Bifi muss mit!" zu, steckte sich das praktische Salamiwürstchen in die Tasche, und der Hunger war gegessen. Heute, im neuen Millennium, steckt man sein Handy in die Tasche und Bifi ist Lieblingssnack von weißen amerikanischen Fabrikarbeitern, die durchgeknallt und unterbelichtet sind. Verarschung am Kunden? Nein. Wiederbelebungsversuch einer uncool gewordenen Pausenwurst.

neues Image für die schlaffe Wurst

Zynischer Humor ist in der deutschen Werbebranche selten. Daher ist es kaum verwunderlich, dass der Wiederbelebungsversuch von der britischen Agentur Bartle Bogle Hegarty stammt, die auch schon für Levi's einen gelangweilten Hamster tot vom Laufrad kippen ließ. Die Kampagne um die US-Produktionsfirma Zomtec ist nicht nur wohltuend provokant, sondern auch perfekt durchgeplant - die gefakte Website zomtec.com setzt die Real-Satire im Internet fort und befriedigt alle offenen Fragen: Zomtec produziert "erneuerndes" Mundwasser und Plastiksparschweine und Dirk spielt in seiner Freizeit in der Band "The Hopping Bulls".
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   

DEA-Tankstelle ohne political correctness


Die Typen von Zomtec sind schräg und es sind Loser. In jeder der lose aneinandergereihten Episoden geht es um eine hirnlose Alltagssituation aus dem Leben von Mitch (lässiger Macho), Dirk (Toupet-Träger), Randy (milchzähniger Azubi), Cliff (kunstvolle Fönfrisur) und Bert (Japaner und Ober-Loser). Die Spots haben Serien-Charakter und fangen da an, wo die Typen von der DEA-Tankstelle aufgehört haben. Doch während es bei den DEA-Spots noch lustige Pointen à la Wochenshow gab ("Super Ingo! Nicht Diesel"), sind die Absurditäten der Zomtec-Spots ohne Schlußgag und Logik konzipiert.
 

 
   

Werbung macht malle

Die Geschichten der Zomtec-Kollegen sind geschmacklos, rassistisch, frauenfeindlich und stupide - kurz: politisch unkorrekt. Der Japaner Bert wird von seinen weißen Kollegen verarscht, beim Freispruch eines mehrfachen Mörders wird gejohlt, präparierte Tierkörper rollen übers Fließband und Mitch lässt eine scharfe Braut abblitzen - eine Vegetarierin. Bad taste pur. Doch genau aus dem Grund machen die Zomtec-Stories Spaß: keine oberlehrerhaften Spee-Füchse oder gelackte Lifestyle-Typen, sondern gnadenlos überzeichnete Charaktere, zweideutige Szenen und ein provokanter Abspann. Die Spots lassen den Zuschauer in der Luft hängen und genau das polarisiert. Auf der einen Seite das orakelnde "ich-hab's-schon-immer-gesagt-Werbung-macht-malle"-Lager und auf der anderen das begeisterte "wo-gibt's-die-T-Shirts?"-Lager.
 

 
   

Fazit

Die Spots in der Trash-Ästhetik verweigern jede Art von Sinn. Die Geschichten rund um die milchgesichtige Zomtec-Belegschaft sind das Kreativste und Provokanteste, was derzeit im biederen deutschen Werbefernsehen zu sehen ist. Denn sie schaffen es, durch skurrile Charaktere und herrlich zynische Stories die Marke Bifi wieder präsent zu machen. Der Kult ist zwar um Zomtec und nicht um Bifi ausgebrochen, aber bei Flat Eric hat's auch geklappt. Genau wie Levi's wird auch Bifi ein bisschen Markenfrische mit abbekommen.   


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 Forum: Zomtec
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 Heike Edinger
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