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Meine tägliche Dosis


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Infos zur Autorin Wenn es abends kalt und regnerisch ist, und das Herz eine miese Gegend, entpuppt sich "Verbotene Liebe" als totale Therapie. Auch ohne Single-Dasein ist der mediale Herzschmerz plus 5-Minutenterrine ein absoluter must have. Nur so macht das Leseratten-Leben wieder Sinn.
 

 

 

Ich schaue sonst nie fern. Nicht einmal die so kultige Ally McBeal, es sei denn, meine einsame, frustrierte Freundin schleppt mich gewaltsam vor den Fernseher, um einen Frauenabend zu inszenieren. Verbotene Liebe ist die große, unerklärliche Ausnahme, ein Relikt aus pickligen Teeniezeiten, und das wahrscheinlich einzig wahrhaft trashige Element in meinem Leben.
 


   

lästern und wegdenken

Bei mir geht tatsächlich seit Jahren nichts über das allabendliche Mitfiebern um verbotene Gefühle, perfide Intrigen und kitschige Romanzen. Das Eintauchen in die Irrungen und Wirrungen anderer ist nicht ungeeignet, um triste, ereignislose Wintertage wegzudenken. Wenn erst die Titelmelodie erklingt, bin ich bis zum Umfallen gespannt. Nicht, weil die Geschichten darin sooo originell wären. Nein, weil man so genüsslich über alles herziehen kann, was dort auf dem Bildschirm passiert. Über die unmögliche Schauspielerei bis zur pseudo-hippen Hintergrundmusik. Darüber, wie Leute sich nicht einmal selber ordentlich spielen können, und darüber, dass Nina sowieso viel besser zu Jule passt.
 

Sehen so unmögliche
Schauspieler aus?
 

   

einfach simpel und gemein sein

Das Leben kommt nirgendwo sonst so schön einfach daher. Die Verbotene Liebe-Welt ist ein schwarz-weißes Schachbrett, auf dem böse und gute Figuren hin und her geschoben werden. Und manchmal, wie in meinem Fall die pekinesengesichtige Isabel, gewisse Personen alsbald ganz oben auf der persönlichen Abschussliste stehen.
 

 
   

früher war's auch nicht besser

Mein Mitbewohner Jo, der einzige, mit dem ich mich stundenlang und leidenschaftlich über VL unterhalten kann, ohne, dass er augenrollend den Raum verlässt, meinte letztens tatsächlich, früher sei alles viel besser gewesen. Seit kurzem ist er deshalb auf Entzug und ich löffle alleine meine Soup in der Soap-Welt. Denke mir: Stimmt nicht. O.K. die Bruder-Schwester Tragödie um Jan und Julia war schon ein echter Renner. Mit hereleid und allem, und Julia soooo schön. Das ist nicht leicht zu toppen. Aber: Was gab es in den letzten 2 Jahren nicht alles an Perfidem, Unmöglichem, Verbotenem! Nina, die Babysitterin und Erika, die verheiratetet Frau, Graf Christoph, und Caroline, seine Schwiegertochter, Jonas und Gabriella, die Feindin seines besten Freundes. Also, ich meine: Immer noch passieren im Umkreis weniger Familien die unmöglichsten, hahnebüchendsten Dinge. Alles hippe, trendige und ikea-ige wird so lange versuchsangeordnet, bis einen wirklich nichts mehr wundert.
 

Kann eine solche Liebe
verboten sein? Folge 1:
Jan und Julia treffen sich
zum 1. Mal.

 
   

nothing better than the real thing

Die verbotene Liebe-Hotline mit Ninas erotischer Stimme am anderen Ende der Leitung, einschlägige VL-Parties, das Buch zum Film, oder gar eine überfüssige Foto-Love-Story, ich als eingefleischter Fan brauche nichts von all dem. Ich brauche meine allabendlichen 25 Minuten, in denen ich kopftot und mit offenem Mund vorm Fernseher klebe, fiebernd in meiner heißen Suppe rühre, die richtig gut schmeckt, ein bisschen nach Seife eben. Salzig, künstlich, und genauso kitschig wie die Geschichten, die ich mit ihr in mich hineinlöffle, bis alles ganz warm ist, straight to my heart.
 

 
   

Fazit

Trendiger Trash, der süchtig macht. Zum medialen Wohlbefinden, täglich mindestens 25 Minuten zur Mahlzeit einnehmen.