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Die Rache der Siggi L.


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Infos zur AutorinInfos zur Autorin Was bisher geschah:
Im letzten "Literarischen Quartett" warf Marcel Reich-Ranicki der Mitkritikerin Sigrid Löffler vor, das gerade besprochene Buch allein seiner erotischen Passagen wegen abzulehnen und unterstellte ihr ein grundsätzliches, persönliches Problem mit Liebesromanen. Daraufhin verabschiedete sich Sigrid Löffler aus der Sendung.

Ein Exklusiv-Mitschnitt aus dem Badezimmer der Sigrid Löffler: Die neue Jeanne d'Arc der Literaturkritik hört Stimmen aus ihrem Badezimmerspiegel. Der Literaturpapst Marcel der Ältere spricht zu ihr.
 

 
 

(Frau Löffler in Schaumbad Marke Cleopatra. Laut Marlene Dietrich-CD. Darüber)
Löffler (singt): Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, denn das ist meine Welt, und sonst gar nichts ...
Stimme (hauchend): Sigrid! ... Sigrid!! ... (fordernd) Frau Löffler!!!
Sigrid Löffler (wird feuerrot, setzt hektisch Schampusglas ab, patscht mit den Händen nach rotem Brillengestell, ringt nach Fassung.)
Stimme: Frau Löffler, Sie nehmen ein Bad? Alleine. War ja auch nicht anders zu vermuten.
 
Löffler (identifiziert die angenehm tönende Männerstimme): Mein lieber Reich-Ranicki, (klopft mit dem Zeigefinger auf den Rand der Badewanne) das ist ja eine exorbitante Impertinenz. Und ich dachte schon, ich wär ihre Visage ein für alle Mal los. Jetzt will ich Ihnen aber mal was sagen.
(Energisch entsteigt sie dem Schaumbad, wickelt sich in einen schwarzweiß karierten Bademantel und baut sich vor dem Alibert auf. Mit den Händen umklammert sie das Waschbecken)
Die debilen Altmänner-Phantasien von Ihnen und Ihrem Schoßhund Karasek hatte ich schon lange dicke. Das war ja nicht mehr zu ertragen.
 


   

MRR: Aber Frau Löffler! Wir haben Sie an ihrem wunden Punkt getroffen, das war ja wohl offensichtlich! Sie verschmähen Literatur über das Thema Liebe, weil sie eine ... ein Blaustrumpf sind, der erotisches Ergötzen nicht genießt ... Es ist einfach eine Qual, mit so jemanden über die große Literatur zu sprechen, die ja allesamt nur auf zwei Themen zurück geht, die ...
 

 
   

Löffler (fällt ein): ... Liebe und die Vergänglichkeit.
MRR (mit fuchtelndem Zeigefinger): Ganz recht! Nun sind sie all die Jahre bei mir im "Quartett" gesessen und haben immer das nicht zu schätzen gelernt. Da blieb mir ja nichts anderes übrig, als mich ihrer Uneinsichtigkeit zu entledigen.
Löffler: Irrtum, mein lieber Reich-Ranicki! Sie baden sich in ihrer Machtphantasie, mich im Affekt aus dem Quartett geschasst zu haben. Aber umgekehrt wird ein Schuh draus. Dank ihres medialen Amoklaufes - ein typischer Fall von medialer Inkontinenz - konnte ich mich aus dem Quartett verabschieden. Und geblendet von ihrer eitlen Selbstgefälligkeit merken Sie gar nicht ...

 
   

MRR: Sind wir Ihnen da etwa auf den Leim gegangen?
Löffler: Exactement. Und nun veröffentliche ich mein Soloalbum, sozusagen.
MRR (verächtlich): Ha! Titel?
Löffler (mit Schmollmund): About a Girl.
(Es läutet.)
Löffler: Und nun, lieber Reich-Ranicki, bitte ich, mich zu entschuldigen, das ist meine Verabredung. Küss die Hand. (Sie haucht in den Spiegel.)
(beiseite) Da schaut er nun betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.
MRR (mit herunterhängender Kinnlade): Das ewig Weibliche zieht uns hinan ...

 
   
 

Ein Thronfolger für Frau Löffler

Sigrid Löffler hat sich aus der Affäre gezogen -
die Nachfolgerin ist seit dem 1. August bekannt:
 
Iris Radisch (41)
Studierte Philosophie, Germanistik und Romanistik. Durch lauwarme, schöngeistige Kritiken im Literaturressort der "Zeit" in der Abseitsfalle.
Löffler-Faktor:
 
In der Fernseh-Literaturkritik ist das wie im Fußball: kämpfen sollt ihr. Damit aus dem "Literarischen Quartett" kein handzahmes Kindlers Literaturlexikon wird, muss wieder eine kantige Persönlichkeit in den schwarzen Ledersessel! Je kontroverser, desto besser für die Quote.
 
Verona Feldbusch (31)
Rekordverdächtig. Spricht nach der alten Rechtschreibung. Zicke für die Westkurve, Xanthippe für den Geschichtelehrer-Kongreß. Einschlägig bewandert im Themengebiet, wo Frau Löffler Defizite aufweisen soll. Löffler-Faktor:
 
Sabine Christiansen (43)
Defensiv-Spielerin: Marcel Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek können sich endlich ungestört die Bälle zukicken. Allerdings noch vertraglich gebunden, deshalb hohe Ablösesumme für den Lerchenberg.
Löffler-Faktor:
 
Fritz J. Raddatz (69)
Wenn schon Macho-Runde, dann richtig: Der dritte Mann der alten Schule macht den Männerstammtisch komplett. Hat im Gegensatz zu Löffler als Tucholsky-Kenner ein Faible für "Sudelbücher". Gute Libero-Qualitäten. Löffler-Faktor:
 


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 Jutta Edinger
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