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Schaumschläger


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Infos zum AutorInfos zum Autor Mit der ersten Websoap "etage zwo" ist der bodenständige Sender ZDF seit dem 13. November in neue Weiten der Fernsehunterhaltung gestartet. Das Ziel der Mission - die Konvergenz zwischen Internet und TV - wird die Start-up-WG "etage zwo" wohl nicht erreichen. Der als innovativ und interaktiv gepriesene Antrieb ist etwas schwach für die "Mission: Konvergenz".
 


etage zwo
ZDF Promotext

 

Woran erkennt man eine Soap? Daran, dass die Wohnung nach IKEA-Austellungsraum aussieht und die H&M-gestylten Darsteller darin vollkommen steif herumlaufen, um ihre Wella-Design Frisur nicht außer Form zu bringen. Woran erkennt man eine Internet-Soap? Daran, dass die Wella-Design- Frisur-Darsteller keine Liebes- und Pickelproblemen erörtern, sondern über Passwörter streiten und sich über den Start-up-Erfolg Sorgen machen. Doch das Wichtigste: Die Soap wird von einer Website begleitet, die einen 24-Stunden-Einblick in das Arbeits- und Privatleben der Start-up-WG ermöglicht. Dieser online-Einblick ist unabdingbar, denn eine on-air Episode dauert nur etwa zwei Minuten.
 


   

Website: Netzwerk des Erfolges?


Nachdem man alle Player installiert hat und die Anwendung nicht aufgrund eines ungültigen Vorgangs geschlossen wird, gelangt man zum "Netzwerk des Erfolges" - der "etage zwo", die fünf Start-up-Agenturen unter einem (WG-)Dach beherbergt. Jeder der WG-Bewohner betreibt nämlich sein eigenes Start-up (Anna: Seitensprungagentur Lustsprung, Zander: Ideen für Morgen, Kristyn: Hunt a head und Josh: TagAttack Webdesign). Der Clou: man kann als User seine eigenen Start-up-Ideen miteinbringen und vielleicht Mitglied im "etage zwo"-Netzwerk werden. Natürlich nicht wirklich, alles nur ein virtuell-interaktiver Spaß, denn die 40 Folgen sind schließlich schon abgedreht. Dafür lassen sich die "echten" Webauftritte der Firmen der Bewohner bewundern und man kann sich z. B. bei Lustsprung erfolgreich (?) einen Seitensprung vermitteln lassen. Diesmal vielleicht wirklich.
 


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Ausstrahlung:
Immer montags im ZDF im Programmumfeld
der Sendungen "Morgenmagazin", "Mittags-
magazin", "Volle Kanne, Susanne" und
"hallo Deutschland". Außerdem gegen 23.30
Uhr inklusive Computer- und Internetnachhilfe
passend zur aktuellen Folge (1. Teil war Pass-
wörter)
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Intranet: die Home-Charaktere

Doch eine Soap wäre keine Soap - auch nicht im Internet -, wenn man nicht das Alltägliche und Private einsehen und miterleben könnte. Was ist schon privater als der Terminkalender (ohne Einträge), die persönlichen Tagebücher (die leer sind), die Mailbox (auf der nichts drauf ist) und natürlich die privaten Homepages. Diese HPs allerdings versprühen null Charme des Intimen und Selbstgemachten, sondern wirken abgekühlt, standardisiert und agenturproduziert. Das Privateste und Brauchbarste sind die Bookmarks wie etwa Annas Link zu Veganer-Rezepten.
 

 
   

keine Mit-Produktion

Das ZDF verspricht in seiner Promotion, dass der Zuschauer nicht nur passiver Betrachter ist, sondern auch aktiver Mitgestalter sein kann. Doch diese Mitgestaltung beschränkt sich auf "innovative" Features wie Fotos Ansehen, die freie Wahl beim Anklicken, das Diskutieren in Foren oder das Finden von notwendigen web-only-Zusatzinfos, ohne welche die Handlung kaum zu verstehen ist. Der User erhält keinerlei Möglichkeit der Einflussnahme auf die Handlung oder die Chance, mit den WG-Bewohnern in Kontakt zu treten.
 

 
   

Fazit

Das Interaktivste an "etage zwo" ist der Name und die senderinterne Promotion - von Konvergenz und Mit-Produktion kaum eine Spur.  


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 Timo Wirth
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