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Bravo geklont


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Seit dieser Woche fordert der Axel Springer-Verlag mit "Yam!" Bauers "Bravo" heraus. Mit innovativem Konzept versucht der Herausforderer, die Zielgruppe für sich zu gewinnen. Die Innovation? Bravo verdoppeln.
 


Yam!

 

Kein Zweifel, die Jungs vom Springer-Verlag wissen, wer die Hosen anhat. Nämlich die Jeans-Schneider von Mustang. Die haben sich schon vor etlichen Jahren den Allerwelts-Begriff "Jam" als Platzhalter für ein TV- und Printmagazin gesichert. Springer tat daher gut daran, sich nicht auf einen juristischen Disput mit Mustang einzulassen - Springer tat allerdings weniger gut daran, statt "Jam" das Wort (?) "Yam" als Titel für sein neues Sturmgeschütz der Pubertät einzuführen.

einfallsloses Kopieren

"Jam" hin, "Yam" her - entscheidend ist, was hinten raus- und vorne reinkommt. Und das sieht so aus: REIN kommen die bekannten Zutaten der Konkurrenten "Bravo" (Bauer-Verlag) und Springer-eigenen Blätter "Popcorn" und "Poprocky". RAUS kommen die üblich verdächtigen Rubriken. Als da wären: Masturbationsvorlagen-Poster für Männlein (Britney Spears) und Weiblein (Robbie Williams), Fotoroman (abgeschlossen), "Sextalk" (aufgeknöpft) und "Unser erstes Mal" ("Sie fühlte sich so gut an..."). Gepaart mit einem grell-gewagten Seitenbau, der jedem über 14-Jährigen die Tränen in die Augen treibt, gibt es de facto keinen Unterschied zu jeder anderen deutschen Pickel-Postillen.
 

 
   

hirnrissiges Erfinden

Aber - "Yam" geht noch weiter. Weiter in die falsche Richtung. Da finden sich grenzdebile Texte ("Die Mutter von Eminems Kindern heißt Kimberly, gilt als an allen Drogen interessierte Schlampe und schaffte es dennoch, Eminem das Ja-Wort abzuringen."). Hirnrissige Rubriken wie "Das ficktive Interview" (heißt wirklich so) oder das "Fake Foto der Woche" (Blümchen zeigt der Bloodhound Gang ihre Titten). Sowie stereotypisierte Texte, die offensichtlich von einer Schar fließbandarbeitender indischer Kinder zusammengestrickt wurden ("Der Kult geht weiter! das Moorhuhn ist zurück!").
 

 
   

Fazit

Nachdem Bravo und Konkurrenz in den vergangenen Jahren von Special-Interest-Heftchen wie dem GZSZ-Magazin abgeledert wurden, bleibt die Frage, was das Abziehbild "Yam" auf dem Markt sucht. Neue LeserInnen können es nicht sein. Aber vielleicht geht es auch nur darum, "Bravo" sturmreif zu schießen. Wenn es "Yam" - entgegen allen Ankündigungen - über längere Zeit zum Copypreis für 1 Mark geben sollte, könnte das sogar gelingen. Der Kampf um gepushte Girls und clearalisierte Boys ist eröffnet.


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Teo R. Vieltraus
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