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Simplicity rules!


Printversion

Infos zur Autorin Infos zur Autorin Das Cover seines neuen Buches ist Programm: klar und schlicht soll die Website der Zukunft sein. Als Experte für Benutzeroberflächen müsste sich Jakob Nielsen bestens auskennen. Aber nur wer bei der Regel "Logo auf allen Seiten" schuldig zusammenzuckt, wird Nielsens Vorschläge bahnbrechend finden.
 


Nielsens useit.com
Alertbox

 

Nielsen warnt seine Leser schon auf Seite 13: "I am an evangelist at heart". Und so verzeiht man ihm beim Predigen seiner Goldenen Usability-Lehre seufzend seinen oberlehrerhaften Ton. Man verzeiht es ihm auch deshalb, weil man spürt, der Mann hat es nicht leicht. Noch sind die meisten Dotcoms einfach schlecht: Entweder Hochglanzbroschürchen mit klotzigen Bildern und 3D-Buttons, unbeholfene Homepage-Basteleien mit kryptischen Icons oder unnavigierbare Sites selbstverliebter Designer. "Relish Simplicity!" schreit Nielsen rechtzeitig seinen Schlachtruf raus, und wer vom Thema noch nicht ganz so viel Ahnung hat, ist nicht abgeneigt, ihm zu folgen.
 


   

Usability und (zu viele) andere Themen

Und man fühlt sich bei ihm durchaus gut aufgehoben. Schließlich ist sein 400 Seiten-Buch ein Allrounder: Kapitel zu Page Design, Textaufbereitung, Navigation, Site-Architektur und Intranet plus ein politisch korrektes Anhängsel zu behinderten Nutzern und internationalem Publikum sollen der Leserschaft den Weg zum glücklichen User aufzeigen. Hätte Nielsen allerdings zu einigen Themen nichts gesagt, wäre das Buch dünner geworden und er hätte kompetenter gewirkt. So mahnt er etwa unablässlich, bloß keine "web innovations" einzusetzen, weil hierzu den meisten Usern die entsprechenden Plugins fehlen würden. Im Anschluss bespricht er Style Sheets blauäugig als Killer-Lösung, so dass jeder, der damit schon tapfer gekämpft hat, denkt, pffh, so ein CSS-Plugin wär nicht schlecht.
 

   

Screenshots zum Wachbleiben

Beim Lesen beschlich mich allerdings doch das Gefühl, dass mich irgendwas bei Laune hält. Denn immer kurz vorm Abtriften (Ja, ist schon klar, auf der Startseite macht ein Home-Button nicht so viel Sinn), kommt rechtzeitig ein Screenshot. Seine Beispiele (zwar oft schon längst vom Relaunch überholt) machen wirklich Spaß - hier kann man sich mehr Anregungen holen als im Fliesstext.

der Klappentext lügt nicht

Das Buch hat unbestrittene Highlights: Sein Pamphlet gegen Frames und das Kapitel "Writing for the Web" etwa. Und auch wenn Nielsen jedes noch so vernachlässigte Design-Detail gnadenlos ans Licht zerrt, merkt man, dass der Klappentext doch ein bisschen Recht hatte ("masterpiece", "guru", "smartest person"). Wer sonst redet über das Texten von "<title>s" oder URL-Design? Seine Stärken geraten leider durch das Themen-Abhaken zu kurz - und ausführlicher hat er einige dieser Themen auch schon online in seiner Alertbox besprochen.
 

 
   

Fazit

Drei Dinge nerven an Nielsens Buch: erstens die unzähligen Tipps für Homepage-Bastler (Logo oben links), zweitens sein Absolutismus mit dem er Geschmacksfragen als Regeln verkauft (seine geliebte Breadcrumb-Navigation) und drittens seine vorsorglichen Empfehlungen, wofür man alles einen "professional xy" anheuern sollte. Dann doch lieber ein gutes Buch zu Site-Architektur, eins zu Web-Design - und Nielsens Kapitel zu Writing for the Web durch den Kopierer schicken.  
 
Jakob Nielsen: Designing Web Usability. The Practice of Simplicity. New Riders, 2000. ($45.00)


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