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Duden up to date


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Der DUDEN entdeckt die Jugend und ihre Lifestyle-Szenen. Alles sprachlich Abartige wird gesammelt und für den Normalbürger verständlich gemacht. Schnell kaufen und lernen bevor das mühsam Gesammelte wieder out ist.
 


Trendbüro
szenesprachen.de

 

Schlag nach bei Wittgenstein: Wörter sind Instrumente einer Gesellschaft, die meistens zeitlos, oft genug aber auch einfach nur vergänglich sind. Die Redaktion des altehrwürdigen DUDEN versucht seit Jahren, eben die Wörter zu finden, die den Sprung vom Vergänglichen zum Bleibenden geschafft haben. Das Ergebnis ist der Ritterschlag für Wörter wie "Mauerspecht", "Peanuts" und "Warmduscher" - Begriffe, die trotz ihrer scheinbar geringen Halbwertzeit in den offiziellen DUDEN aufgenommen wurden. Jene Wörter jedoch, die nach DUDENs Meinung in einigen Jahren mit Sicherheit niemand mehr braucht, fielen konsequent unter den idiomatischen Teppich. Bisher. Denn jetzt hat der gelbe Verlag ein wenig Rouge auf eines seiner Cover gelegt, darunter die verwaschenen Porträts zweier hübscher junger Menschen gelegt - und den Titel "Wörterbuch der Szenesprachen" drüber gedruckt.
 

 
   

Duden als Szene-Opener

Der Klappendeckel gibt die Linie vor: "B-Boys und Fly-Girls spotten durch die Aufrisszone", wird dort etwas ungelenk fabuliert. Und im Anschluss: "Wer wissen möchte, was scratchen, cruisen und dissen meint, braucht dieses Buch." Durchaus richtig. Denn wer sich sprachlich gewandt unter Extrem-Sportlern, Musikern, Models, Computerfreaks, Sex-Süchtigen oder Partygängern bewegen will, könnte in einem von diesen sechs Themenfeldern seinen Wortschatz erweitern. Wer aber nur einigermaßen fest in einem Leben ohne Tigerente und Mate-Tee steht, wird sich auch ohne den neuen Trend-DUDEN durch deutsche Straßen, Betten und Half-Pipes finden.
 

 
   

Duden als Community-Project

So stellt sich die ketzerische Frage: Brauchte man wirklich ein Team aus acht Autoren (darunter Professoren, Werbetexter, Germanisten), um zu klären, was Reggae (S. 75), Streetball (S. 37) oder assig (S. 186) ist? War es wirklich nötig, unter dem Stichwort Junkfood (S. 198) zu hypertexten: "Der kleine Hunger zwischendurch kommt beim ->Party-Hoppping zwischen zwei ->Clubs."? Wohl kaum. Aber wohl doch. Denn würde man das 200-Seiten-Konvulut von jeglichem Überfluss befreien, bliebe nur noch eine bessere Beilage übrig. Darin: Subkulturelle Unbekannte wie "shredden" (Skateboard-Fahren) oder "Neeping" (Computerfreak-Fachgespräch).
 

 
   

Fazit

Wörter sind vergänglich. Trends sind es auch. Das Wörterbuch der Trendsprachen hat sich damit bald selbst erledigt. Wesentlich interessanter dürfte die Fortführung des Trend-DUDEN im Web werden. Unter www.szenesprachen.de wollen die Autoren ihr Buch ergänzen und fortschreiben - eine einzigartige Chance, für die es allerdings keinen gedruckten Vorläufer gebraucht hätte.
 
-- "Trendbüro": DUDEN - Wörterbuch der Szenesprachen. Bibliographisches Institut Mannheim (24,90 DM).


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Teo R. Vieltraus
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