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Sommerbücher


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Infos zur AutorinInfos zur Autorin Vier Bücher, um das Sommerloch auf dem Büchermarkt zu umschiffen. Vollwertige Begleiter in Bus und Bahn, am Baggersee, auf den Balearen oder im Sommerparadies. Out now! Also: Computer herunterfahren und das Badetuch mit dem Aufdruck "Surf" einpacken.
 

 
 

Paradise lost and found

Vom bunten Präsentierteller springt mir zuerst "Der Strand" von Alex Garland in die Schwimmbadtasche. Der StrandDoch nur auf den ersten Blick habe ich mir leichte Reiseliteratur eingehandelt. Vergesst Leonardo di Caprio und schon löst sich der Reisebericht über die Suche nach einem verborgenen Strand an den Rändern Thailands ins Universelle auf. Sind wir nicht alle auf Seelen-Parkplatzsuche, auf der Suche nacht einem Zufluchtsort? Und in der Zwickmühle: Dadurch, dass wir diesen "secret garden" finden, zerstören wir ihn.
 

   

Paradies als Nachbar

Weil aber rastloses Rucksackreisen nicht unbedingt mein Fall ist, suche ich weiter und finde Das Paradies ist nebenan"Das Paradies ist nebenan" von Cees Nooteboom. Der verwilderte erste Roman von Nooteboom funkelt und schäumt mit surrealen Sequenzen. Noteboom, aus dem erst noch ein alter Hase der Reiseberichterstattung werden soll, erzählt von einem kleinen Mädchen, das seine Identität mit einer Addiermaschine auf einem Kassenbon errechnet.
 

 
   

Paradies zum Einloggen

Zu altmodische Er-Fahrungsmethoden?Kometen Ist das Paradies im globalen Dorf nur einen Mausklick entfernt? Wozu gibt es schließlich den chatroom "Paradies"? Darin kann man sich im Stadtpark verabreden und einen erblindenden Fotografen treffen. "Kometen" von Stefan Beuse wirft ein verrätseltes Suchbild in Form eines Sternenbildes an den von den Lichtern der großen Stadt orange schimmernden Nachthimmel.
 

 
   

Ins Paradies als Prinzessin

Einlass in den chatroom "Paradies" bekommt man nur mit einem "nickname". In der Literatur benutzt man Pseudonyme. Kurt Tucholsky hat davon gleich fünf. Schloss GripsholfIn der Erzählung "Schloss Gripsholm" schreibt Tucholsky über die Fahrt eines "Kurt Tucholsky" mit Lydia, der "Prinzessin", in die Sommerfrische nach Schweden. Tucholskys bissig-zackiger Sprachrhythmus prallt dabei mit der Leichtigkeit des Seins einer Urlaubsreise zusammen. Doch im Schatten der "verdrossenen Fichten und dummen Kiefern" liegt eine Blitzanalyse der Beziehung zwischen "Kurt" und "Lydia" als Mutter-Sohn-Beziehung. Und auch hier: "Wir sahen [...] einen blauen Sommerhimmel mit vielen weißen Wattewolken, aber was wir suchten, das fanden wir nicht."
 
Pack das richtige Buch in Deine Badetasche, denn mit dem falschen ist der Sommer gar nicht so leicht.
 


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Jutta Edinger
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-- Alex Garland: Der Strand. Goldmann, 1999 (14,90 DM)
-- Cees Nooteboom: Das Paradies ist nebenan. Suhrkamp, 1991 (10,80 DM)
-- Stefan Beuse: Kometen. Kiepenheuer & Witsch, 2000 (29,90 DM)
-- Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm. Eine Sommergeschichte. Rowohlt (9,90 DM)