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Mann im Praxis-Test


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Infos zur AutorinInfos zur Autorin Der Praxis-Test enthüllt: Nicht nur die Apotheken-Rundschau macht zum Hypochonder. Ein Besuch beim Zahnarzt wegen einer defekten Plombe endet um ein Haar beim Urologen mit angeschlossener psychologischer Psychotherapeuten-Praxis. Ein Wartezimmer-Blick auf die moderne Männer-Magazin-Landschaft.
 


MensHealth.de
FHM.de
Spiegel-Artikel zu Muskelsüchtigkeit

 

Eigentlich lese ich nie Männermagazine, wirklich. Aber als mir neulich die Plombe rausfielt und ich zu meinem Zahnarzt - Frau Dr. med. dent.- musste, versuchte ich mich im Wartezimmer mit den Heftchen abzulenken.
 


 
 
 
   

Heft 1: Men's Health

Wenn's einem so richtig dreckig geht, dann hilft doch der Blick auf einen gestählten männlichen Astral-Körper, oder? Auf dem Waschbrettbauch des Cover-Nackedeis klebt ein Booklet: "Die effektivsten Übungen für den ganzen Körper". 660 verschiedene Muskeln hat der Mensch, lese ich. Sie alle wollen trainiert werden, um das beste aus ihnen rauszuholen. Mannsein ist echt harte Arbeit. Glaubt man "Men's Health", so hilft bei akutem Frauenschwund nur eins: Muckis aufbauen. Damit man sich am Strand nicht schämen muss, wird gezeigt, wie man zu einem "strandtauglichen Körper in nur vier Wochen" kommt. Wo einschlägige Frauenzeitschriften für die Traumfigur strikt eine Brigitte-Diät empfehlen, muss mann nach "Men's Health" an Muskelmasse zulegen: "Endlich dick!" Die Muskel-Diät für dünne Heringe und Hühnerbrust-Träger. So gesund scheint mir "Men's Health" nicht zu sein. Ich halte die Luft an und ziehe meinen Bauch ein. Schnell lasse ich das Heft sinken und krame ein neues aus dem zerfledderten Stapel.
 


 

 

 

 


_Men's Heath
_6,50
_Rodale-Motor-Presse Verlag
_Auflage: 270 909

 

   

Heft 2: FHM

"For Him Magazine": Die "Für Sie" für Männer. Nach britischem Erfolgs-Konzept zeigt FHM die nackte Wahrheit: Hier suhlt mann sich oben ohne und ohne zu Schämen im Mannsein. Ziert sich mit den prolligsten Leserbriefzuschriften der Szene. "Männer sind so" lautet der FHM-Slogan. Schüchtern vergleiche mich mit den Haudegen aus den rotzig-frechen Textchen. Mittlerweile fühle ich mich so männlich wie ein Flokati-Bettvorleger. Bin ich als Freundin vielleicht die Schlampe? Der Psycho-Test sagt bei 0-14 Punkten: "Im Bett hat sie die Ausstrahlung eines Bügelbretts und der einzige feuchte und harte Gegenstand, der mal in ihrem Mund war, ist eine Zahnbürste." Mein Backenzahn liegt in den letzten Zügen. Immer noch warten. Neues Heft, neues Glück.
 


 
 


_FHM
_6 Mark
_Emap-Attic Futura Verlag
_Auflage: 200 743

 

   

Heft 3: Maxim

Das neueste Glanzlicht unter den Goldenen Männerblättern. "Der gute Kumpel beim Feierabendbier", so Chefredakteur Peter Lewandowski (vormals "Playboy"). Sei wie ein guter Kumpel beim Feierabendbier. Also zotiger Tresenhumor? Nein, flötet Lewandowski: "Weil der Mann von heute längst nicht so platt im Kopf ist, wie immer kolportiert wird, präsentieren wir diese Wundertüte mit Witz und zarter Ironie." Das Heft erklärt mir den kleinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein am Bedienen des Bankautomaten. Das Cover in zimtfarbener Farbgebung schmust sich an mich und die sittlich bekleidete Brillenschlange Anastacia lässt ganz sanft meine Brillengläser beschlagen. Innen bekomme ich in schummrigem Licht sanfte Nachhilfestunden zur weiblichen Geografie. Süß: "Sei gut zu deinen Händen. Denn raue Pranken passen nicht zur zarten Haut der Liebsten". Die Abteilung praktische Lebenshilfe zeigt mir endlich, wie mann einen Knopf annäht. "Maxim" belehrt mich auch über echt elementare Dinge, die mir mein Biobuch vorenthalten hat: "Zähne: Wozu hat man die? Damit Sie zum Zahnarzt gehen müssen. Erwachsene haben 32 Zähne. Was tut ihnen gut? Die Zähne zweimal am Tag jeweils fünf Minuten putzen. Kaufen Sie alle drei Monate eine neue Zahnbürste, und gehen Sie einmal im Jahr zum Zahnarzt. Prostata: Wozu hat man die? Abgesehen davon, dass sie sich mit zunehmendem Alter..."
 



_Maxim
_3 Mark (Einführungspreis)
_Springer
_Auflage: 150 000

 

   

Im Behandlungszimmer

Da ruft jemand meinen Namen. "Bitte in die Eins". Örtlich betäubt taumele ich ins Behandlungszimmer, sinke auf den roten Zahnarzt-Stuhl wie auf Siggis Couch. "Morgens Aronal, abends Elmex" empfiehlt mir das Poster vor meiner Nase. Ich erinnere mich an die holden Worte in "Maxim": Das Magnum-Girl solle Werbung machen für Oral B. In meinem vom Schmerz und Männer-Magazinen umnachteten Geist jagen mich zwei Oral B-Zahnbürsten mit Wechselkopfbürste in todschicker Leisure-Wear durchs Fitness-Studio und wollen mir ans (Zahn)Fleisch. "Machen Sie bitte mal ganz weit auf". Zeig's ihr, denke ich.
 

 
   

Fazit

Dann lieber doch die aktuelle Emma mit den formvollendeten Zahnreihen von Charlotte Roche vorne drauf. "Charlotte & Sisters feiern 30 Jahre Frauenbewegung." Das interessiert dann auch meinen Freund. Neue Männer-Magazine braucht das Land!



 


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Jutta Edinger
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