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Kampf des Informatikers


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Infos zum AutorInfos zum Autor In "Ausweitung der Kampfzone" lässt der Franzose Michel Houellebecq seinen Helden die dunkle Seite des glorreichen Informatik-Milieus erleben. Doch ist dieser Roman keine moralisierende Anklage, sondern die pure Faszination am subjektiven Niedergang. Diese destruktive Lust verspürt man auch beim Lesen.
 

 
 

Bereits die ersten Sätze ziehen den Leser in den Bann. Der Ich-Erzähler dekonstruiert alltägliche Verhaltensweisen, wie Arbeitskonferenzen oder Bettenkauf auf eine schockierende, bloßstellende aber auch gleichzeitig amüsierende Art und Weise. Der Lese-Spaß entsteht aber nicht, weil die Beschreibungen so zynisch sind, sondern weil diese aufgezeigten Absurditäten als Normalzustand präsentiert werden.
 

   

der Held & die Story

Der Erzähler, ein 30-jähriger Programmierer, arbeitet als mittlere Führungskraft in einem EDV-Dienstleistungsbetrieb. Er ist vom Leben enttäuscht, verfügt aber über jede Menge Kaufkraft. Sexuell bringt ihm dies jedoch auch keine Erfolge, was ihn aufgrund seines Äußeren und seiner Art aber nicht wundert. Menschliche Beziehungen sind für ihn ein Übel. Seine einzige Freiheit besteht im Rauchen. Doch wie er von sich behauptet, ist er zu 80 Prozent normal. Vom Leben erwartet er nichts mehr, er hat sich an die alltägliche Leere gewöhnt und findet sie überdies erregend. Die Jahre vergehen schnell: Er wird herzkrank, rastet aus und geht zum Psychiater. Ein Happy End oder die spirituelle Erfüllung sind nicht zu erwarten.
 

   

die Identifikation

Mit seinem lapidaren Erzählstil, seiner besonderen Perspektive und der unverblümten Anrede erreicht es der Held, dass man sich bereits zu Beginn mit ihm verbündet. Er spricht zu dem unverstanden Individuum in uns - zu dem Ich, welches ständig verneint, ständig alles mies macht und in nichts einen Sinn sieht. Durch diese Verbündung amüsiert man sich an den Lebensweisheiten und Alltagsbeschreibungen des Informatikers - bis man schließlich spätestens an der Stelle des versuchten Sexualmords genug hat. Nun ist der Leser raus aus dem Roman und hofft entweder auf Selbstmord oder die happy Wende. Doch beides ist vom Autor nicht vorgesehen.
 

 
   

die schockierende Kampfzone

Beim Erscheinen der Hardcover-Version 1999 wurde die Kritik des Romans selbst zur Kampfzone: Wegen Houellebecqs radikalen Ausführungen zum wirtschaftlichen und sexuellen Liberalismus - die er als die lebensbestimmenden Kampfzonen ausweist - wurde er von den einen als Ausnahmeerscheinung gelobt und von den anderen als Menschenverächter beschimpft.
 

 
   

Fazit

Ist Houellebecq zu stark oder bist du zu schwach? Im kleinen, normalen, bloßstellenden und zynischen Schock liegt seine Kraft. Die Wirkung reicht von Amüsieren über Verbündung bis hin zum Ekel.

 
Jetzt als Taschenbuch bei Rowohlt erschienen.
Michel Houellebecq: Ausweitung der Kampfzone. Rowohlt, 2000. (14,90 DM)


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Timo Wirth
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