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Hyper Potter


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Infos zur AutorinInfos zur Autorin Plötzlich sind Kinderbücher hip und kultig. Sind die Harry Potter-Bücher nur ein mühsam aufgebauter Hype aus Magie und Kommerz und damit überzeichnet wie die boo.com-Aktie? Ein Versuchsprotokoll.
 

 

 

Ausgangslage: 20- bis 40-Jährige kaufen und lesen eine Fantasy-Geschichte für Zehnjährige.
Zu testen ist: Hält das Buch, was die Verkaufszahlen an Wert versprechen?
 

 
   

Stimulus: die Story

Der Waisenjunge Harry muss unter der Treppe im Besenschrank seiner Pflege-Eltern schlafen. Doch mit seinem elften Geburtstag wird alles anders: Er wird zugelassen zur "Hogwarts School of Witchcraft and Wizardry". Die Schule entpuppt sich als verkappte Burg Schreckenstein mit Strafpunkten, Streichen auf dem Mädchenklo und einem Zaubertrank-Kochkurs. Ich grinse und schiele auf mein Bücherregal in die Abteilung Schneiderbuch. Zauberlehrling Harry will hinter das Geheimnis des verbotenen dritten Stocks kommen. Dort bewacht ein dreiköpfiger Hund den Stein der Weisen, der dem Besitzer Reichtum und Unsterblichkeit verspricht. Den Wunder-Stein will sich der Bösewicht Lord Voldemort natürlich verschaffen. Aber er hat seine Rechnung ohne Harrys Spürsinn gemacht.
 

   

Reaktion auf den Inhalt

Über dem Lesen eines Rätselreims im Schlusskapitel fallen mir die Augen zu. Als ich am nächsten Morgen ausgeruht weiterlese, kann ich aufatmen: Ende gut, alles gut. Harry Potter wird als Held gefeiert.
 

 
   

Auswertung

Beim Lesen ist die Begeisterung der "Pottermania" schwer nachzuvollziehen. Der Text entwickelt keine Sogwirkung. Die von der Autorin aufgebaute Gegen-Welt, in der die Zauberer verkehren, ist nicht viel mehr als das bekannte Universum der Internatsgeschichte, ein wenig garniert mit Zaubersprüchen und Hexenbesen. Dadurch funktioniert die Identifikation des Lesers mit diesen nicht völlig übernatürlichen Figuren um so besser. Es ist die nicht einfallslose, aber auch nicht umwerfende, Mixtur eines gängigen Kinderbuchgenres mit allgemein zugänglichen Fantasy-Elementen. Leicht verdaulich, aber etwas farblos.

 
   
   

Schlussfolgerungen

Recycling lebt vom Mitmachen. Ohne geschickte Marketing-Strategie und eine sich verzaubern lassende, kauffreudige Leserschaft würde wohl ein Harry Potter Roman heute unter Wert verkauft werden. J.K. Rowling hat gerade die richtige Mischung gefunden, um ein breites Massenpublikum anzusprechen, denen die Welten der bekannten Fantasy-Literatur zu "abwegig" sind. Alle, die ein Original suchen, lesen besser Tolkiens "Der kleine Hobbit". Aber nur, wenn der Nachbar nicht kuckt, denn im Trend liegt ja Wiederverwertung.
(ein grüner Punkt für gutes Recycling)
 
-- Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Stein der Weisen (Band 1). Carlsen, 1998 (28,00 DM)
-- Joanne K. Rowling: Harry Potter and the Sorcerer's Stone (Book 1). Scholastic, 1999 ($ 6.99)


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Jutta Edinger
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