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Amor und Psyche


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Infos zur AutorinInfos zur AutorinKaum hat er in einer Quizshow eine Million gewonnen, avanciert der Einsiedler Alakar zum Fernsehstar: Er liest vor laufender Kamera Gedichte vor. Verpackt ist diese Geschichte in ein hochpoetisches Tohuwabohu. Das erlaubt tiefe Einsichten in die Befindlichkeit des neuen Medienstars.
 

 
 

Alakar Macody war früher Journalist und lebt heute einsiedlerisch an einer einsamen Flussbiegung. Als selbsternannter Pilzexperte rettet er unwissenden Pilzsammlern mit einem Notruftelefon das Leben. Er hat eine Leidenschaft für T.S. Eliot, mit dem er im Kopf Zwiegespräch hält. Seine Lieblingssendung im Fernsehen ist "Brainonia", eine Kreuzung aus "Wer wird Millionär" und "Der große Preis". Die von ihm vergötterte Moderatorin Verna Albrecht mit den sieben verschiedenen Weizentönen im Haar ruft ihn eines Abends als Telefonkandidat an. Alakar mutiert prompt zum Glückspilz und gewinnt eine Million Mark.

Glückspilz wird zum Medienstar

Eh er sich versieht, wird Alakar zum neuentdeckten Medienstar des Brainonia-Senders "Tele-Fun" und bekommt eine eigene Sendung, in der er fortan Gedichte rezitiert. Verna Albrecht zitiert dagegen im Stillen fortlaufend Anne Sexton. Sie wird nach einem Tränenausbruch in der Sendung, die sie eigentlich inbrünstig hasst, gefeuert. Ihr bleibt die Faszination für Alakar, der sie an einen alten Geliebten erinnert. Finden die beiden verirrten Seelen zusammen?
 

   

Magische Wortakrobatik

Was uns Susanne Riedel liefert, ist keine Mediensatire. Es ist eine magisch aufgeladene, mit Wortakrobatik gespickte Geschichte, eine Naturschönheit, die zwischen der Schönheit der Poesie und der Schroffheit des Lebens pendelt. Sie leuchtet das Universum aus, psychisch und physisch. Alakars Mutter war Psychoanalytikerin, die ihren Sohn von klein auf analysierte, sein Vater Physiker, der ihn zu früh in die Heisenbergsche Unschärferelation einweihte und damit seine Spuren hinterließ. Die poetische Liebesgeschichte brachte Susanne Riedel 2000 den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb ein.
 

 
   

Fazit

Der mit vielen lyrischen Zitaten durchwirkte Text ist keine leichte Kost. Dennoch entführt Riedel den Leser gekonnt in die verworrene Welt seiner Figuren und deren traumatische Kindheitserlebnisse. Ein leicht abgedrehter Roman, dessen praller poetischer Duktus manchmal jedoch leichtes Völlegefühl bereitet.   
 
-- Susanne Riedel: Die Endlichkeit des Lichts. Berlin Verlag, 320 Seiten, 19,90 Euro, gebundene Ausgabe.


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Jutta Edinger
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