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Curry Ketchup


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Infos zum AutorInfos zum Autor Der Chips-Klassiker Chio entdeckt in der Diversifizierungswelle der letzten Jahre den Volksgeschmack der 80er Jahre wieder. Dieser ist nicht Cheese Onion oder Sour Creme, sondern simpler Curry Ketchup.
 

 
 

Ein nostalgischer Blick zurück auf den Chipsmarkt der 80er Jahre: Hier kann man mit einem retro-trend-verschärften Blick sagen, dass die Chips damals besser und vor allem die Auswahl leichter war.

Chio, Chio, Chio Chips

Chips waren von Chio wie Creme von Nivea. Sonst nichts. Okay, es gab mal die verschärft-speckigen Peppies in der Glitzer-Tüte und die fein-portionierten Chipsletten mit eingebautem Servierschieber. Diese schnellvergänglichen Abweichungen beiseite gelassen, waren Chio Chips die Chips für alle und jeden. Sie hatten eine sehr gute Standardqualität ohne übersteigerten Trend- und Ereignisfaktor. Dies sah man schon daran, dass es in jeder bürgerlichen Kneipe und jedem sportlichen Clubheim neben Salzbrezeln kleine Chio-Chips-Tüten gab.
 

   

Chips werden zum Lifestyleerlebnis

Diese spießig-simple Beschaulichkeit auf dem Chipsmarkt wurde in den 90er Jahren durch den erlebnisreichen Big-Choice-Markt abgelöst. Explosionsartig vergrößerten sich die Knaberregale mit teils fantasievoll-ekligen teils geschmacklos-einfallslosen Sorten. Den Anfang dieser Ausdifferenzierungswelle machten Crunch Chips. Es folgten zahllose austauschbare Tortilla-Chips inklusive exklusiv dazupassenden Dips und diverse Neu-, Unter- und Spezialsorten. Klassische Chips bekamen mindestens vier bis fünf neue Geschmacksrichtungen. Auch Chio wollte nicht als langweiliger Klassiker im Regal stehen. Mit Glitzer-Tüte, Big-Attention-Pfeil und amerikanisch klingenden Geschmackrichtungen wollte man wieder zum Big-Seller werden. Schließlich belegte Chio nun mit neuen Sorten zwei Meter mehr im Walmart-Regal. Das war Ende der 90er Jahre.
 

 
   

Mr. Pringle räumt auf

Schließlich kam der Retter in der Not: Der amerikanische Chips-Klassiker Pringles zog in die deutschen Wohnzimmer ein.Pringles hatten ein vollkommen simple Röhren-Verpackung (ohne dekorativen Servierschieber) und einen schlichten 50er-Jahre-Grinsemann mit Schnurbart. Mit Ruhe und Erfahrung schaffte Mr. Pringle das Unmögliche: Komplexitätsreduktion im Chipsregal. Von nun an waren Chips wieder nur Chips und für mich gab es nur noch Pringles "Cheeze umz". Wer brauchte schon Glitzer, Glamour und Geschmacksvielfalt? Scheinbar leider ziemlich viele andere Käufer. Deshalb gibt es die Sorte "Cheeze umz" nicht mehr, und ich stehe wieder vor dem weiter gewachsenen Chipsregal.
 

 
   

Aus Frust zum Trash

Was nun? Crunch-Chips kommen nicht in Frage. Schon gar nicht seit sie Trikot-Sponsor des 1.FC Kaiserslautern sind. Mario Basler beim gemütlichen Videoabend vor Augen haben? Nein danke. Andere Chips sind zu teuer, in der nöächsten Tüte ist zu wenig drin und wieder andere sehen zu gediegen aus. Also bleiben trotz aufgemotzter Tüte wohl nur Chio Chips. Hey, neue Sorte: Curry Ketchup. Das klingt simpel, das ist Retro, das ist ... - ab in den Einkaufswagen. Geschmackstest beim Simpsons-Abend: Würzig, ein wenig süßlich und kartoffelig mit breitem aber nicht zu strengem Aroma. Passt gut zu Mezzo-Mix. Mit viel Selbstdisziplin konnte ein Drittel der Tüte bis zum nächsten Tag gerettet werden.
 

 
   

Fazit

Gute Pfälzer-Kartoffeln mit Curry-Ketchup. Das war als Pommes Frites gut und schmeckt auch als Chips.   


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Timo Wirth
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