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Was ist Usability?


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Infos zur AutorinInfos zur AutorinFrüher war alles ganz einfach: Websites hatten blau unterstrichene Textlinks und Autoradios zwei Knöpfe. Das wurde schnell langweilig. Mehr Funktionen sollten die Nutzer glücklich machen. Die Webdesigner erfanden Buttons und Menüs, das hatten sie von den Autoradioherstellern abgeguckt. Dann der Aufschrei: Unbenutzbar! Usability wurde zur Religion.
 


What Does Usability Mean?
What is "Usability"? (Nielsen)
Alltägliche Usability-Beispiele
Interface Hall of Shame

 

Usability wird oft mit Benutzerfreundlichkeit gleichgesetzt. Doch Usability ist mehr. Kein Nutzer verlangt von einer Website, dass sie freundlich zu ihm ist. Aber er wird verlangen, dass sie einfach zu bedienen ist und ihm Spaß bringt. Was aber macht eine Website einfach und leicht zu bedienen? Drei Definitionen versuchen die "Gebrauchstauglichkeit" zu fassen:
 


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"This is so simple a five-year-old
child could understand it." - "Quick,
run out and bring me a five-year-old
child." (Groucho Marx)

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Mehr als nur "einfach"

Definition 1:
"Usability ist das Ausmaß, in dem ein Produkt von einem bestimmten Benutzer verwendet werden kann, um bestimmte Ziele in einem bestimmten Kontext effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen." (ISO 9241)
 
Definition 2:
"Usability is the measure of the quality of the user experience when interacting with something – whether a Web site, a traditional software application, or any other device the user can operate in some way or another." (Jakob Nielsen, 1998)
 
Definition 3:
"Usability really just means making sure that something works well: that a person of average ability and experience can use the thing for its intended purpose without getting hopelessly frustrated." (Steve Krug, 2000)
 
Die Definitionsversuche machen klar: Usability lässt sich nicht auf "Einfachheit" reduzieren. Es ist vor allem wichtig, die Bedürfnisse der Nutzer zu verstehen. Eine erfolgreiche Website unterstützt den User, seine Ziele zu erreichen. Dafür muss sie effektiv, effizient, sympathisch, fehlertolerant und lernbar sein. Diese fünf Kriterien machen Usability messbar und sind Grundlage der Entwicklung einer Benutzerschnittstelle.
 

 
   

Merkmal 1: Effektivität

Effektivität bezeichnet die Genauigkeit und Vollständigkeit, mit der ein Ziel erreicht wird. Eine effektive Website unterstützt den User bei seinen Aufgaben. Gemessen werden kann Effektivität daran, wie gezielt und vollständig ein Nutzer seine Aufgaben lösen kann. Nicht immer muss Effektivität höchste Priorität haben. Eine Website, die unterhalten will, muss sich weniger um Effektivität bemühen als ein Online-Shop. Bei E-Commerce-Sites ist es entscheidend, dass Kunden ihre Bestellung richtig ausführen. Ähnlich wie bei Geldautomaten kann der Klick auf den falschen Knopf schwerwiegende Folgen haben.
Mehr Effektivität: Eine Website kann ihre Effektivität erhöhen, indem sie dem User Hilfestellung bei schwierigen Aufgaben anbietet. Dies kann z.B. eine Kurz-Anleitung für die Suchfunktion sein. Effektiv ist eine Website auch dann, wenn sie dem User klar unterscheidbare Optionen anbietet. Die Wege durch eine Site sollten daher klar ausgeschildert sein. Eine weitere Strategie ist es, dem User mehrere Wege zu ein und demselben Ziel anzubieten: Eine Mailadresse zentral im Kopf der Seite und unter jedem Artikel erleichtert es beispielsweise dem User, dem Autor zu schreiben. Verschiedene Wege führen erfolgreich zum Ziel.
 

 
   

Merkmal 2: Effizienz

Effizienz meint die Schnelligkeit, mit der der User (erfolgreich) eine Aufgabe lösen kann. Eine effiziente Website fordert wenig Aufwand, um ein Ziel zu erreichen. Gemessen werden kann die Effizienz einer Website anhand der Klicks, die nötig sind, um die gewünschten Informationen abzurufen. Auch anhand der Zeit, die der Nutzer zur Zielerreichung benötigt, kann Effizienz gemessen werden.
Mehr Effizenz: Vor allem Navigationsinstrumente wirken sich auf die Effizienz aus. Wie schnell der User eine Aufgabe löst (Informationen finden, Buch kaufen, Freemail-Konto einrichten, etc.) hängt vor allem von der Art Verlinkung ab. Auch die klare Gestaltung der Links und die Art der visuellen Markierung (Textlink (mit oder ohne Unterstreichung), Button, Icon, etc.), wirkt sich auf die Schnelligkeit der Nutzung aus. Eine effiziente Website bietet dem User auch Abkürzungen an wie automatisches Login, 1-Klick-Bestellung oder Skip Intro. Die Abkürzungen beschleunigen die Aufgabenbewältigung vor allem für erfahrene User. Anfänger dürfen jedoch durch die Abkürzungen nicht überfordert werden. Eine effiziente Site bietet daher beides: Einen ausführlichen Weg für Neulinge und einen Express-Weg für Dauernutzer.

 

 
   

Merkmal 3: Sympathie

Eine sympathische Site bietet ein angenehmes "Look and Feel". Der Nutzer fühlt sich wohl und benutzt das Angebot gerne. Die optische Gestaltung ist hierfür entscheidener Faktor. Das Layout, der Einsatz von Grafiken und Fotos, Typografie, Farbklima, und multimediale Elemente bestimmen, wie der User spontan auf das Angebot reagiert.
Mehr Sympathie: Eine positive Einstellung gegenüber einer Website wird beispielsweise stark von der Lesbarkeit beeinflusst. Sowohl die gewählte Schriftart als auch die Textlänge und Textaufbereitung wirken sich auf die Lesbarkeit und damit die Zufriedenheit des Users aus. Auch die Art und Weise, wie der Nutzer mit der Site in Interaktion treten kann, beinflusst die subjektive Zufriedenheit. Als Grundsatz gilt: Form folgt Funktion. Das Design ist kein Selbstzweck, sondern unterstützt den User in der Bewältigung seiner Aufgaben.

 

 
   

Merkmal 4: Fehlertoleranz

Im Idealfall weist eine Website keinerlei Fehler auf. Wenn Fehler auftreten, sollte der User in der Bewältigung des Fehlers unterstützt werden. Ein leicht bedienbare Website betrachtet Fehlermeldungen als Teil des Dialogs mit dem Nutzer. Eine Fehlermeldung sollte eine klare Beschreibung des Fehlers enthalten und eine Anleitung, wie der Fehler behoben werden kann.
Mehr Fehlertoleranz: Hat ein User bei einem Login ein falsches Passwort eingegeben, sollte ihm die Website Hilfestellung liefern (etwa durch eine Option "Passwort zuschicken"). Ein weiteres Beispiel ist eine erfolglose Suche: Eine gute Suchmaschine zeigt nicht einfach "0 Ergebnisse" an, sondern listet alternative Begriffe auf. Eine fehlertolerante Site sollte auch so gut wie keine Verlinkungsfehler enthalten. Kommen dennoch falsche Links vor, kann man dem User durch eigene 404-Fehler-Seiten Hilfestellung bieten. Eine gute Seite-nicht-gefunden-Seite bietet dem User, die Option, im Archiv nach der gesuchten Seite zu suchen, den Hinweis auf mögliche Tippfehler und einen Link zurück zur Startseite.

 

 
   

Merkmal 5: Lernbarkeit

Eine gut bedienbare Website macht es dem Nutzer leicht, zu einem Profi-Nutzer zu werden - und somit zu einem Dauer-Nutzer. Er sollte auf sein Anfänger-Wissen ohne großen Aufwand aufbauen können. Die Site muss vorhersehbar sein. Eine konsistente Benutzeroberfläche ist dafür entscheidend. Die Menüsteuerung muss sich auf allen Seiten gleich verhalten und die Platzierung von Design- und Navigationselementen darf sich nicht ändern.
Mehr Lernbarkeit:
Im Web muss der User vor allem lernen, was klickbar ist und was nicht. Vor langer Zeit hat er etwa gelernt, dass blau unterstrichene Wörter anklickbar sind. An diese Konvention hält sich jedoch kaum noch eine Website wirklich konsequent. Längst sind andere Klick-Signale eingeführt wie z.B. Mouseover-Effekte oder Pfeile. Werden diese nicht konsistent verwendet, wird die Lernbarkeit beeinträchtigt. Wird ein Pfeil einmal als Schmuckelement eingesetzt, einmal als Linkmarkierung, kann der Nutzer keine Regel ableiten.

 

 
   

Fazit

Freundliche Websites gibt es nicht. Doch Websites können Nutzer glücklich machen - vorausgesetzt, sie sind leicht zu bedienen. Usability ist keineswegs eine geheimnisvolle Wunderdroge. Die Inhaltsstoffe sind klar deklariert. Anhand der fünf Bestandteile Effektivität, Effizienz, Sympathie, Fehlertoleranz und Lernbarkeit lässt sich "Usability" leicht selbst herstellen. Nebenwirkungen ausgeschlossen.

Literatur zum Thema:
-- Steve Krug: Don't Make Me Think! A Common Sense Approach to Web Usability. Macmillan, 2000.
-- Jakob Nielsen: Usability Engineering. Academic Press, 1993.
-- Jakob Nielsen: "What is Usability?" 1998.
http://www.zdnet.com/devhead/stories/articles/
0,4413,2137671,00.html

-- Whitney Quesenbery: "What Does Usability Mean?" 2001.
http://www.cognetics.com/presentations/whitney/more-than-ease-
of-use.html


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Heike Edinger
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