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Suchen in der Praxis


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Infos zum AutorInfos zum Autor Eine Suchfunktion ist besonders wichtig bei Suchmaschinen, Online-Zeitungen und Online-Shops. Bei diesen drei Typen von Websites ist das Suchbedürfnis der User sehr hoch. Nicht minder wichtig ist es für die Betreiber, dass die User all das finden, wonach sie suchen. Denn gefunde Suchanfragen bringen Zufriedenheit und Geld.
 



Nielsen-Kolumne zur Suche


 

Suchmaschinen

web.de

Das Suchportal web.de versucht all seine Suchmöglichkeiten in einer Maske unterzubringen. Alle Funktionalitäten, die web.de zu bieten hat, werden dem User auf einen Blick präsentiert. Das macht Eindruck und ist für Profi-User vielleicht sogar eine nützliche Sache, doch Normal-Sucher mit unspezifischen Anfragen sind wegen der Auswahl schnell orientierungslos. Hinzu kommt, dass die einzelnen Suchkategorien nicht trennscharf sind: Sind "Nachrichten" keine "Web-Seiten"? Kann ich nicht vielleicht erst einmal in allen Kategorien suchen? Daneben ist das Labelling nicht immer klar: Was ist eine Live-Suche? Ist meine Suche nicht live, also aktuell? Suche ich nur nach archivierten Sachen? Bei dieser multifunktionalen Suchmaske kommt schnell Verwirrung auf, sobald man sich mit den gebotenen Suchmöglichkeiten beschäftigt. Die Möglichkeit der differenzierten Suche ist wichtig und sehr nützlich, aber nicht bei durchschnittlichen Suchanfragen. Zum Glück versorgt die default-Einstellung den User im Normalfall mit zufriedenstellenden Ergebnissen.
 
yahoo.de

Suchen bei Yahoo! ist einfach. Ein breites Suchfeld, in welches man viel eintragen kann, und ein großer Button. Für versierte Sucher gibt es noch einen klaren und eindeutigen Textlink "Erweiterte Suche". Das war's. Einfach die Suchanfrage eingeben und los. Alle nötigen Verfeinerungen der Suche, falls sie überhaupt notwendig sind, können bei der Präsentation der Suchergebnisse vorgenommen werden.
 
google.de

Bei Google ist sofort klar, was los ist. Suchen sonst nichts. Durch die Reduzierung auf eine sehr breite Suchmaske auf der Startseite, angereichert mit wenigen Textlinks und Auswahlmöglichkeiten, wird das Suchbedürfnis nicht nur durch die schnelle Ladezeit, sondern auch die einfache Handhabung sofort gestillt. Allein die Hierarchie-Verhältnisse auf der Seite machen sofort klar, wie Google funktioniert: Suchbegriffe eingeben und den Button "Google Suche" drücken. Sonst nichts. Als sehr user-freundlich erweist sich auf den Ergebnisseiten, die Funktion ????? "ähnliche Ergebnisse". Ohne erneute Suchanfrage, Einschränkungen etc. kann der User mit einem Klick seine Ergebnisse spezifizieren.
 

   

Nachrichten-Angebote

Spiegel Online
Wer bei Spiegel Online suchen will, muss zunächst einmal die Suche suchen. Die Suche befindet sich nicht oben im Kopf der Seite, sondern links unter der Hauptnavigation. Sie wird dezent als Trenn-Element in der linken Navigationsleiste eingesetzt. Bei einer Bildschirmauflösung von 800x600 ist sie ohne zu scrollen überhaupt nicht zu sehen. Hat man sie gefunden, ist das Formular-Feld sehr klein (obwohl mehr Platz wäre), was viele User in ihrer Suchanfrage sehr einschränkt, denn die Mehrheit gibt nur so viele Zeichen ein, wie sichtbar sind. Will man seine Anfrage abschicken, gibt es keinen prominenten Button, auch kann man nicht auf das Wort "suchen" klicken, sondern einzig die beiden Pfeile sind sensitiv.
 
Sueddeutsche.de
Die Suche bei Sueddeutsche.de ist sehr prominent im Kopf der Startseite platziert. Sie sieht auf den ersten Blick einfach aus. "Suche: Sueddeutsche" dann ein freies Formularfeld mit einem eindeutigen Go-Button. Doch sieht man genauer hin, fällt auf, dass "Sueddeutsche" in einem Pulldown-Menü steht. Alternativ lässt sich "Archiv" aufrufen. Was ist der Unterschied? Wo fängt Archiv an, wo hört die Süddeutsche auf? Weit gefehlt. Auflösung: Mit der Einstellung "Sueddeutsche" läßt sich das Online-Angebot der SZ durchsuchen. "Archiv" durchsucht die Printausgabe. Auch bei Sueddeutsche.de sollte man sich besser nicht zu lange mit den Suchoptionen beschäftigen.
 
cnn.com
Bei der CNN-Suche kann man nicht suchen, sondern finden. Doch das Labelling des Such-Buttons ist das geringste Problem und schränkt auch nicht die Verständlichkeit ein. Viel problematischer ist das undurchsichtige Pulldown-Menü. Die Benennung der Suchfunktion ("SEARCH") wurde als Punkt eins in das Pulldown aufgenommen. Logisch, aber natürlich nicht benutzerfreundlich wäre es, wenn im Pulldown weitere Funktionen zu finden wären. Doch werden verschiedene Unterbereiche der Site gelistet, die sich getrennt durchsuchen lassen. Außerdem kann man noch im Web suchen. Leider verschwindet der Suchbefehl nach der Auswahl. Drei Funktionen in einem Pulldown spart zwar Platz, doch schränkt es die Verständlichkeit immens ein.
 


 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
 

 
 
 
 
 

 
   

Shopping-Sites

Amazon
Amazon macht es vorbildlich. Eine sehr auffällige und vor allem einfach zu bedienende Suche. Sie sucht global quer durch alle Kategorien, Autoren oder Interpreten. Möchte der User seine Suche bewusst von Anfang an einschränken kann er dies tun - muss er aber nicht, da "All Products" voreingestellt ist.
 
Buecher.de

Nicht ganz so komfortabel und leistungsstark, wie die Suche von Amazon, aber sehr gut verständlich ist die Suche bei Buecher.de. Hier wird dem User erklärt, dass er nach "Titel, Interpret und Autor" suchen kann.
 
BOL

Im Gegensatz zu Amazon und Buecher.de erschwert der Konkurrent BOL seinen Usern das Suchen. Die Suchfunktion ist auf Autor voreingestellt. Möchte der User nach etwas anderem suchen muss er die Suche zuerst umstellen. Erkennt er die Vorauswahl nicht, wird er möglicherweise sein Buch nicht finden. Auch wird er Probleme bekommen, wenn er nicht genau weiß, wonach er sucht, denn die gleichzeitige Suche in mehreren Ordnungskategorien ist nicht möglich.
 
Otto
Otto meint es gut mit seinen Online-Kunden. Die Suche bietet für jeden was. Fast alles ist klickbar und führt den User irgendwo hin. Wieso kann man "Suchen nach..." klicken, wenn es weiter unten auch ein Suchformular gibt. Kann ich mit dem Suchfeld keine Marken finden? Warum sollte ich ich eine Trend finden wollen? Sollte die Suche nicht Fragen beantworten, statt zahlreiche neue zu stellen?
 
Alltoys
Der Spielzeug-Laden Alltoys bietet erst gar keine Suche an. Entweder kauft man die Angebote, die auf der Startseite angepriesen werden oder man klickt sich durch Rubriken und Sammelseiten. So ensteht erst gar keine Suchfrust, oftmals wahrscheinlich auch keine Kauflust.
 

 
   

Literatur zum Thema:
-- Jakob Nielsen. 1997. "Search and you may find". http://www.useit.com/alertbox/9707b.html
-- Jakob Nielsen. 2000. Designing Web Usability. Indianapolis: New Riders.
-- Steve Krug. 2000. Don't make me think. Indianapolis: McMacmillan.

Teil 1: Theoretische Grundlagen



 
 
 
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Timo Wirth
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