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Eyecatcher: Text


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Online-Nachrichten-Leser wollen Texte - keine Bilder oder Grafiken. Die Ergebnisse der neuesten Eyetrack Studie des Poynter Instituts überraschen: Der Leser am Monitor liest völlig anders als der Leser am Frühstückstisch.
 


Poynter: Eyetrack Studie

 

Vor zehn Jahren zeigte Poynter mit seiner ersten Eyetrack Studie, wie eine Print-Zeitung gelesen wird: Augen zuerst auf das größte Foto der Seite, dann die Überschrift, dann der Text. An der neuen Online-Eyetrack Studie nahmen 67 Testpersonen teil (Voraussetzung: erfahrene Internetnutzer). Die Teilnehmer brachten die eigenen Bookmarks mit und sollten sich ihre gewohnten Nachrichtenangebote anschauen. Angestrebt wurde damit ein "normales" Surfverhalten. Im Mai 2000 veröffentlichte das Poynter Institut die ersten Ergebnisse aus ihrer Eyetrack Studie für Online-Zeitungen und die Ergebnisse bestätigen: das Netz ist ein eigenes Medium und fordert seine eigene Aufbereitung.
 

   

der User liest - tatsächlich!

Die Online-Eyetrack Studie entkräftet das hartnäckige Vorurteil "am Bildschirm liest niemand". Im Gegensatz zur Printzeitung fällt der Blick zuerst auf den Text, nicht auf die Bilder. Der User sucht bei einem News-Angebot zuerst nach aussagekräftigen Anreißern und Überschriften und trifft mit Hilfe des Texts seine Entscheidung: "Weiterklicken und Lesen?". Hat sich der User erst gezielt für einen Artikel entschieden, wird dieser auch zu 75% gelesen (bei der Printzeitung nur 20-25%). Mögliche Erklärungen: Nachrichtenangebote werden im Gegensatz zu Fun-Angeboten primär informationsorientiert genutzt. Auch sind Bilder in Online-Zeitungen meist schlecht editiert: Sie sind (wegen der sonst zu hohen Übertragungsrate) zu klein und bieten wenig Mehrwert.
 

 
   

Überschriften: sachlich nicht witzig

Überschriften dienen im Netz der Selektion - stärker noch als in der Printzeitung. Die Eyetrack-Teilnehmer loben daher klare, informative Überschriften und kritisieren clevere Wortspielereien. Konsequenzen: Überschriften müssen für die Online-Ausgabe umgetextet werden, sie entscheiden über den Klick in den Text und sollten effizient erklären, worum es geht.
 

 
   

die Mythen - Daily Me und Stammleser

Allen Orakeln zum Trotz: die Poynter Studie zeigt, dass durch die Online-Zeitung nicht die gemeinsame Informationsbasis in Gefahr ist. Auch die Online-Leser sind auf der Suche nach Themen, über die "man Bescheid wissen muss". Um sich umfassend zu informieren, klickt der User im Netz mehrere News-Angebote gleichzeitig an und surft parallel.
 

 
   

der typische Online-Nachrichtenleser

. . . ist also laut Eyetrack Studie:
-- ein informationsorientierter Surfer, der viele Anreißer liest und stark selektiert
-- Grafiken und Bilder eher ignoriert
-- Wert auf sachliche und aussagekräftige Überschriften legt
-- mehrere News-Angebote parallel liest
-- und den breiten Überblick will, keine personalisierten Nachrichten.


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Heike Edinger
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