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Künstlich oder real?


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Infos zum AutorInfos zum Autor Real Life ist natürlich und Virtual Life ist künstlich - so werden die beiden oft voneinander abgegrenzt. Dazu kommt der Moralfaktor: RL ist gleich gut und VL ist Spielerei. Doch so einfach ist die Sache nicht. Eine Darstellung nach Baudrillard:
 

 

 

Kommunikation im Internet wird meist als künstlich bezeichnet, da vernetzte Computer zwischen den Kommunikationspartnern stehen, kein face-to-face Kontakt möglich ist, Kommunikation nur über Schrift erfolgen kann und die Kommunikation nicht im realen Raum stattfindet, sondern im Cyberspace, also virtuell. Jedoch würde niemand Kommunikation via Telefon als künstlich bezeichnen, obwohl sie auch technisch vermittelt ist.
 

   

Mehr als nur Kommunikation

Das Internet ist eben mehr als ein Kommunikationsmedium, mehr als eine Ansammlung von vernetzten Computern. Es wurde über die Metapher Cyberspace eine neue parallele Welt, ein metaphorischer (virtueller) Raum geschaffen. Den Cyberspace als neue Welt, können wir erkunden ("Internet Explorer") und müssen durch ihn navigieren ("Netscape Navigator"). Wir haben es also mit einer simulierten Wirklichkeit zu tun.
 

 
   

Im Internet bleibt nichts, wie es war

Doch diese Kopie der Wirklichkeit hat sich verselbständigt. Ein Forum im Internet hat wenig mit einem klassischen Forum in Athen gemein, genau wie eine andere virtuelle Gemeinschaft mit einer klassischen. Die verwendeten Metaphern verweisen nicht mehr auf Gegenstände im Realen sondern nur noch auf sich selbst. Nach den Kriterien von Baudrillard ist somit aus der künstlichen Projektion des Cyberspaces eine Hyperrealität entstanden.
 

 
   

Weder künstlich noch real

Im Bereich des Hyperrealen implodiert die Unterscheidung zwischen Simulation und Realität. Das Künstliche und Reale verschwimmen ineinander. Es steht nichts Ursprüngliches oder Reales mehr hinter dem Zeichen. Somit liefert die Repräsentation durch Zeichen keine Ersatzwirklichkeit oder Verweiswirklichkeit mehr, sondern entwickelt eine eigene - eine Hyperrealität.
 

 
   

Fazit

Baudrillards Theorie macht klar, dass Kommunikation via Internet und virtuelle Gemeinschaften mehr sind als nur künstliche Spielerei. Sie sind zwar nicht real, sondern mehr als das, hyperreal. Und von daher nicht weniger bedeutsam.


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Timo Wirth
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Literatur zum Thema:
-- Poster, Mark (ed) 1988. Baudrillard. Selected Writings. Oxford: Polity.
-- Storey, John. 1997. An Introduction to Popular Culture. London: Routledge.(177-182)